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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Edited By Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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CORINNA LESCHBER (Berlin) - Geheimsprachliche Strukturenim aktuellen Sprachgebrauch von Roma - 163

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Corinna Leschber (Berlin) Geheimsprachliche Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma In den folgenden Ausführungen sollen verschiedene Arten des Gebrauchs ge- heimsprachlicher Strukturen beschrieben werden. Die Verfasserin konnte diese bei Feldforschungen in den letzten Jahren in der mündlichen Rede von Roma feststellen. Das bedeutet, dass diese Strategien gegenwärtig in Gebrauch und damit vital sind. Beschrieben werden zunächst Ausprägungen, die auf pragmati- scher Ebene als In-Group-Varietät funktionieren und Zielsetzungen verfolgen, die denen traditioneller geheimsprachlicher Varietäten vergleichbar sind. In der Folge wird eine Varietät beschrieben, die die klassischen Züge von Geheimspra- chen aufweist und die auf der Basis des Kalderash-Romani gebildet wurde. Rudari auf dem Balkan und in Mitteleuropa: Code-Mixing und `Fusiolekte´ Hochinteressant sind der traditionelle Sprachgebrauch der Rudari in Serbien und der Sprachgebrauch zugewanderter Gruppen in Mitteleuropa. Bei den Rudari, die auch seltener `Aurari´1 genannt werden, handelt es sich um Rumänisch spre- chende Roma, die im 18. und 19. Jahrhundert aus Rumänien nach Serbien und in angrenzende Gebiete migriert sind, LESCHBER 2008a: 338f. Rudari haben ihre ursprüngliche Sprache Romani vergessen. Die Grundlage ihres Dialektes bildet ein mundartliches archaisches Dakorumänisch. Dabei handelt es sich um eine gemischte Mundart, die dialektale Züge aus verschiedenen Regionen Rumäniens aufweist, und zwar Züge des Südmuntenischen, Oltenischen sowie des West- transsilvanischen. Da die Varietät der Rudari seit Längerem extraterritorial in heterogener sprachlicher (d. h. serbischer) Umgebung in Gebrauch ist, zeigt die- se Mundart altertümliche Züge, die...

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