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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Gerhard Kaldewei: „Stedingsehre“ auf dem Bookholzberg im Oldenburger Land 55

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„Stedingsehre“ auf dem Bookholzberg im Oldenburger Land – Ein exemplarischer deutscher Ort der Manifestation des „schönen Scheins der NS-Ideologie“ Gerhard Kaldewei Spätestens seit dem Beginn der 1930er Jahre, also noch in der Weimarer Repu- blik, bereiteten die führenden Köpfe der Heimatbewegung im Oldenburger Land, zu denen u. a. der Historiker und Archivar Hermann Lübbing, der Schrift- steller August Hinrichs, der Maler Bernhard Winter oder auch der Volksschul- lehrer und Fotograf Heinrich Kunst gehörten, die Gedenk-Feierlichkeiten zum 700-jährigen Ereignis der Schlacht bei Altenesch im Jahre 1234 vor. In dieser Schlacht, einem gewiss zumindest für Nordwestdeutschland epochalen mittelal- terlichen Ereignis, erfuhren die aufständischen, militärisch weit unterlegenen Stedinger Bauern durch ein transnationales Kreuzfahrerheer eine fast vernich- tende Niederlage, die ihnen einen über Jahrhunderte nicht nur in dieser Region tradierten mythischen Heldenruhm einbrachte. Winter widmete diesem Ereignis einen Lithographie-Zyklus, der dann 1933 im einschlägigen Münchner Luden- dorff-Verlag veröffentlicht wurde. Auch weitere Oldenburger und Bremer Künstler griffen dieses Thema auf. So u. a. der aus Jaderberg stammende, in den 1920er Jahren als expressionistischer Maler erfolgreiche, Jan Oeltjen, der 1942 im Auftrag des Oldenburger Gauleiters Carl Röver ein großformatiges Ölbild der „Schlacht von Altenesch“ für die Stiftung „Stedingsehre“ schuf. Als 1932 die NSDAP in Oldenburg die Landtagswahlen zum ersten Mal in einem deutschen Land mit absoluter Mehrheit gewann und der Gauleiter Weser- Ems Röver, dann erster deutscher NS-Ministerpräsident wurde, setzte sich die- ser an die Spitze der regionalen...

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