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Kriegs- und Nachkriegskindheiten

Studien zur literarischen Erinnerungskultur für junge Leser

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Edited By Gabriele von Glasenapp and Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Allgemein- wie der Kinder- und Jugendliteratur als einem zentralen Erinnerungsmedium an Kindheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Fokussiert werden die teilweise traumatisierenden Erlebnisse: Zum einen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven, wobei der nationale Referenzrahmen neben deutschsprachigen auch europäische wie außereuropäische Perspektiven umfasst. Zum anderen werden die literarischen Kindheitsdarstellungen einzelner Länder unter dem Aspekt von Selbst- und Fremdwahrnehmung gesehen. Die einzelnen Aufsätze gehen zur Erinnerungskultur im Allgemeinen, behandeln einzelne Autoren und befassen sich mit der Tradierung von Texten, Aspekten nationaler Literaturpolitik sowie Fragen der literarischen Vermittlung.

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Krieg und Kriegskindheit in der japanischen Kinder- und Jugendliteratur und ihr Verhältnis zur Erinnerungskultur im Nachkriegsjapan 465

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Yoko Koyama-Siebert (Tübingen) Krieg und Kriegskindheit in der japanischen Kinder- und Jugendliteratur und ihr Verhältnis zur Erinnerungskultur im Nachkriegsjapan I. Wenn man heute in Japan ohne nähere zeitliche Bestimmung vom Krieg spricht, ist gewöhnlich der Zweite Weltkrieg gemeint, genauer: die Phase des Krieges seit der Kriegserklärung gegen Amerika am 8. Dezember 1941 bis zur Kapitula- tion am 15. August 1945.1 Seit Beginn der japanischen Modernisierung2 nach dem Modell der westlichen Großmächte (d. h. seit der Öffnung des Landes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) hat Japan innerhalb von nur fünfzig Jahren jedoch mehrere Kriege geführt: gegen China (Qing-Dynastie, 1894/95), gegen Russland (1904/05), im Rahmen des Ersten Weltkriegs auf chinesischem Boden gegen Deutschland (1914/18) und ab 1931 bis in den Zweiten Weltkrieg hinein noch einmal gegen China.3 Im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg bleiben diese Kriege im kollektiven Bewusstsein der Japaner jedoch im Hintergrund, was meines Erachtens auf deren sehr unterschiedlichen Verlauf zurückzuführen ist. So waren die Kriege vor dem Zweiten Weltkrieg zum einen japanische Inva- sionskriege, die im Ausland geführt wurden und bei denen Japan auf der Seite des Siegers bzw. des Eroberers stand. Erst der Zweite Weltkrieg, in dem Japan militärisch immer mehr zurückgedrängt wurde, fand auch auf japanischem Bo- den statt und die japanische Bevölkerung erlebte zum ersten Mal die Folgen des Krieges am eigenen Leib. Überregional und in allen Bevölkerungsschichten war man von Schicksalsschlägen wie Tod, Verletzung, Hunger...

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