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Historik im Historismus

Geschichtsphilosophie und historische Methode bei Ernst Bernheim

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Knut Langewand

Ernst Bernheim (1850-1942) hat mit dem bekannten Lehrbuch der historischen Methode einen entscheidenden Beitrag zur Grundlegung der geschichtswissenschaftlichen Methodik geleistet. Historik im Historismus liefert neben einer biographischen Skizze eine Analyse seiner geschichtstheoretischen Schriften. Ferner werden Berührungspunkte seiner Historik mit geschichtsphilosophischen Strömungen des späten 19. Jahrhunderts aufgezeigt und unter Berücksichtigung des Forschungsstandes Bernheims ‘historistischer Eklektizismus’ herausgearbeitet. Eine Verortung in der Geschichtswissenschaft seiner Zeit und der Epoche des Historismus eröffnet eine Perspektive, wie in der eigentümlichen Verschränkung von «Geist und Methode», also von Geschichtstheorie und Quellensystematik, Bernheims Bedeutung für die heutige Geschichtswissenschaft und ihre Standortbestimmung in Zeiten postmoderner Kritik liegen kann.

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4. Geschichtstheoretische und methodologische Schriften 33

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33 4. GESCIITCHTSTHEORETISCHE UND METHODOLOGISCHE SCHRIFTEN Mit Blick auf die Fragestellung dieser Arbeit sollen nun Bemheims drei genuin geschichtstheoretisch und methodelogisch ausgerichtete Bücher betrachtet wer- den. 4.1 PHILOSOPIITSCHE GRUNDLEGUNG: GESCHICHTSFORSCHUNG UND GE- SCHICHTSPHILOSOPHIE Das in Göttingen entstandene Buch Geschichtsforschung und Geschichtsphilo- sophie ist Bernheims erste Veröffentlichung jenseits der mittelalterlichen Ge- schichte. Die Motivation für die Abhandlung speist sich aus seiner Feststellung eines Gegensatzes zwischen dem allgemeinen Interesse an historischen Darstel- lungen einerseits und einer Krisis der Geschichtswissenschaft andererseits. Es gebe "kaum eine Wissenschaft, über deren eigentliches Wesen und Wollen so verschiedene Meinungen bestehen"102• Bernheim beruft sich hier auf fiühere Versuche einer Standortbestimmung der Geschichtswissenschaft103 . Die Ursache des ungesicherten und bezweifelten Charakters von Geschichte als Wissenschaft liege teils in Angriffen und Zuschreibungen von außen begründet, großenteils jedoch in der ungenügenden Klärung der "Gesamtauffassung" der Geschichte, die wesentlich Sache der (spekulativen) Geschichtsphilosophien sei und sich von der konkreten historischen Forschung entfremdet habe. Das "Verhältniss der Geschichtsphilosophie zur Geschichtsforschung vom Standpunkt der letzteren aus zu prüfen"104 und Wege aus der Entfremdung beider voneinander zu weisen, stellt sich Bernheim zur Aufgabe. Bereits hier entwickelt Bernheim seine Typologie historiegraphischer Darstel- lung, indem er zwischen erzählender, lehrhafter und entwickelnder Geschichte unterscheidet. Das fortgeschrittenste Stadium sei mit Letzterer erreicht, wenn- gleich naiv-erzählende "Heroengeschichte" als auch pragmatische Geschichte zu Bildungszwecken eine gewisse Berechtigung behielten. Die Aufgabe moderner Geschichtswissenschaft sei jedoch das Herausschälen der geschichtlichen Ent- wicklung im beschränkten (historisches Individuum,...

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