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Zu aktuellen Grundfragen der Übersetzungswissenschaft

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Ana Maria Bernardo

Mit diesem Buch wird ein kurzer Einblick in ausgewählte Themen der deutschsprachigen Übersetzungswissenschaft im westlichen Kontext vermittelt, der für die fachinterne Diskussion grundlegend ist. Dabei werden Fragen wie die ihrer Interdisziplinarität erörtert, u. a. wie sie sich in den unterschiedlichen Ansätzen widerspiegelt. Neben den linguistischen und semiotischen Betrachtungsweisen kommen kommunikative, kulturelle, kognitive und funktionale Orientierungen zum Tragen. In diesem Zusammenhang fällt der Leipziger Schule eine zentrale Rolle zu, die bahnbrechend für die Entwicklung der Disziplin gewesen ist. Die Hauptverdienste der Übersetzungskritik sowie die kulturaufbauende bzw. -abbauende Funktion der Übersetzung im heutigen globalisierten Umfeld werden ebenfalls angeschnitten.

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II. Zur Rolle der Leipziger Übersetzungswissenschaftlichen Schule in der Entwicklung der Disziplin 49

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49 II. Zur Rolle der Leipziger Übersetzungswissen- schaftlichen Schule in der Entwicklung der Disziplin II.1. Leistungen der Leipziger Schule in der deutsch- sprachigen Übersetzungswissenschaft II.1.1. Vorspann Ein Hinweis vornweg: abgesehen von der Tatsache, dass man sich als Außenstehende vorkommt, als würde man Eulen nach Athen tragen, ist es ein unmögliches Unterfangen, die Leistungen der Leipziger überset- zungswissenschaftlichen Schule auf einigen Seiten angemessen zu wür- digen.14 Auch die kulturelle (nebst der zeitlichen und örtlichen) Distanz, aus der dieser kurze Überblick vorgenommen wird, mag die herrschen- den Verhältnisse u. U. entstellen. Die vorgelegte Interpretation der Leistungen der Leipziger Schule stellt lediglich einen Versuch dar, einem breiteren Publikum, nicht desto minder deutschkundigen Lesern bzw. Translatologen, die Wirkung dieser Schule innerhalb der Entwicklung der deutschsprachigen Übersetzungswissenschaft aus der Außenperspek- tive bekannt zu machen. II.1.2. Stand der Disziplin bei der Entstehung der Leipziger Schule In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts war die Übersetzungswis- senschaft15 völlig der Sprachwissenschaft untergeordnet (Mounin 1963, Nida 1964, Catford 1965). Das Übersetzen wurde im Großen und Ganzen als linguistische Tätigkeit betrachtet und man erhoffte sich, aus den kon- 14 Dieser Aufsatz wurde ursprünglich in Leipzig vorgetragen. Zur Semantik- Problematik sowie zu textuellen und kognitiven Betrachtungen innerhalb der Leip- ziger Schule vgl. II.3.4. dieser Arbeit. 15 Übrigens wurde m. W. diese im Jahr 1816 von Friedrich Schleiermacher geprägte und heutzutage gängige Bezeichnung der Disziplin erst in Leipzig wieder neu be- lebt. 50 trastiven Studien zwischen Sprachpaaren genauere Erkenntnisse zum...

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