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Nonverbale Seelsorge im Kontext stationärer Pflege

Analysen, Beobachtungen und poimenische Postulate

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Olaf Krämer

Die Arbeit untersucht Lebensbedingungen und seelsorgerliche Herausforderungen in Altenpflegeheimen. Eine nähere Betrachtung stationärer Einrichtungen lässt das verbale Verstummen Pflegebedürftiger als ein zentrales Merkmal dieser Lebenswelt hervortreten. Das Nonverbale gewinnt im stationären Kontext somit an Bedeutung. Die Seelsorge wird genötigt, sich körpersprachlicher Ausdrucksformen zu bedienen. Dies wirft die Frage auf, wie eigentlich Seelsorgende in der Praxis nonverbal kommunizieren. Im Rahmen einer Multiple-Case-Fallstudie werden gefilmte Besuche von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in Heimen unterschiedlicher Trägerschaft ausgewertet mit dem Ziel der Generierung einer gegenstandsbezogenen, praxistauglichen poimenischen Theorie.

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Einleitung 13

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13 Einleitung Die vorliegende Arbeit erhielt ihren ersten Impuls von der bedrängenden Frage eines Heimseelsorgers, die vielen Besuchern in Pflegeheimen vertraut sein dürfte: Wie soll man sich verhalten angesichts von Schwachheit, Verfall, Hilflosigkeit, Mattheit, Nachlassen des Kognitiven, Verstummen oder Ver- wirrtheit, die hier allenthalben begegnen? Welche Gestalt ist der Seelsorge gemäß, wenn die Bedingungen, unter denen sie sich vollzieht, so ganz andere sind, als die dem Gemeindepfarramt vertrauten? Der Praktische Theologe in mir wiederum fragte: Was ist Seelsorge im Pflegeheim? Von welcher Theorie kann sich das praktische Handeln an diesem Ort bestimmen lassen? Die Seelsorge im Pflegeheim ereignet sich ja in einer „fremden Welt“1, die vor besondere Herausforderungen stellt. Die zunehmende Bedeutung von Heimen darf daher nicht übersehen werden: Die Zahl Pflegebedürftiger, die künftig ihren Lebensabend in stationären Einrichtungen der Altenpflege ver- bringen werden, nimmt aufgrund eines markanten, nie dagewesenen Trends der westlichen Gesellschaften in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts kontinuier- lich zu. Demnach wird mit einem überproportionalen Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung zu rechnen sein, wie es in einer grafischen Darstellung des Bevölkerungsaufbaus deutlich wird (Veränderung vom „Tannenbaum“ zum „Pilz“). Diese demografische Verschiebung wird einen unübersehbaren Anstieg von Pflegebedürftigkeit mit sich bringen. Auch gesellschaftliche Entwicklungen, wie z.B. Veränderungen der Familien- und Wohnstrukturen oder zunehmende Mobilität der Bevölkerung, dürften einen begünstigenden Einfluss auf die Inanspruchnahme von Pflegeeinrichtungen haben, weshalb mit einer Abnahme des familialen Pflegepotenzials zu rechnen ist2 und die h...

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