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Himmel auf Erden - Heaven on Earth

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Edited By Rudolf Suntrup and Jan R. Veenstra

Für den mittelalterlichen Menschen waren das Bewusstsein und der Lebensalltag vom Glauben an das konkret vorgestellte Jenseits in einer Selbstverständlichkeit und Intensität geprägt, die für den modernen Menschen kaum noch nachvollziehbar ist. Wenngleich die Bildsprache vom ‘Himmel’ und die Rede vom ‘Himmel auf Erden’ heute gerade im außerreligiösen Kontext – als Buchtitel, im Schlager, in Redensarten und im Werbetext – verbreitet ist, wird in diesem thematisch geschlossenen Tagungsband in Einzelstudien der Frage nachgegangen, wie im Spätmittelalter und im Übergang zur Frühen Neuzeit die Idealvorstellung vom ‘Himmel’ auf bestimmte Formen individueller Lebensführung, gesellschaftlicher Organisation und künstlerischer Gestaltung einwirkt. Konkret fassbar wird dies etwa in Bereichen von Politik und Gesellschaft (Herrscher, Staat, Schulwesen, Theokratie), in religiöser Praxis (zweckbestimmte Armenfürsorge, Wallfahrt) und in bestimmten Kunstformen (Meistergesang, geistliches Lied, allegorische Dichtung). Der Band enthält sechs deutschsprachige und drei englische Beiträge.
For medieval man heaven was a concrete reality. Belief in the afterlife was self-evident and intense in a way that is difficult to imagine for modern man who knows heaven sooner from booktitles, songs, figures of speech or advertisements than from every-day experience. The contributions to this volume of proceedings, however, deal with the question how in the late-medieval and early-modern period the idealized image of heaven influenced life, society and art. The various essays deal with the impact of this idealism on politics and society (ruler, state, education, theocracy), on religious practice (poor relief, pilgrimage), and on different art forms (Meistergesang, religious song, and allegorical poetry). The volume contains six German and three English contributions.

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Das Leben als Pilgerfahrt zum Himmlischen Jerusalem in derPèlerinage de la vie humaine des Guillaume de DigullevilleVolker Honemann (Münster) 107

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Das Leben als Pilgerfahrt zum Himmlischen Jerusalem in der Pèlerinage de la vie humaine des Guillaume de Digulleville Volker Honemann (Münster) I Peregrini et hospites sunt super terram: so charakterisiert der Hebräerbrief (11,13) Abraham, Sarah und ihre Nachkommen, die ‘im Glauben gestorben seien, die Verheißungen aber nicht empfangen, sondern sie von ferne gesehen hätten und sich ihrer getröstet und wohl genügen lassen und bekannt, daß sie Gäste und Fremdlinge – peregrini et hospites – auf Erden wären.’1 Die mittelalterliche Bibelauslegung – so z.B. die Glossa ordinaria – hat dieses Wort vielfach auf a l l e Menschen ausgelegt und damit deren irdischen Status als den des Pilgers bestimmt2, dabei beeinflußt durch eine Stelle im zweiten Korinther- brief, wo es heißt: Dum sumus in corpore, peregrinamur a Domino (2 Cor 5,6) – ‘solange wir in diesem Leibe sind, wandeln wir fern vom Herrn’.3 Moderne theologische Forschung beschreibt die Situation des Menschen während seines Erdenlebens deshalb als einen Status viae oder Status viatoris, des Weges oder des Reisenden, der – beginnend mit seiner Geburt – unterwegs ist hin zum 1 Iuxta fidem defuncti sunt omnes isti, non acceptis repromissionibus, sed a longe eas aspicientes, et salutantes, et confitentes quia peregrini et hospites sunt super terram. Die Vulgata zitiere ich nach der Ausgabe: Biblia sacra iuxta Vulgatam Clementinam. Nova editio [...] a Alberto Colunga O.P. et Laurentio Turrado. Quarta editio, Madrid 1965. Die deutsche Übersetzung ist die Martin Luthers: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des...

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