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Kernberufe

Ein Baustein für ein transnationales Berufsbildungskonzept

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Georg Spöttl and Jessica Blings

Die europäische Diskussion zur Gestaltung einer länderübergreifenden Berufsbildungspolitik konzentriert sich vorrangig auf einzelne Instrumente, die kaum in der Lage sein dürften, den eigenen Anspruch, nämlich einen europäischen Berufsbildungsraum zu gestalten, einzulösen. Der Grund dafür ist, dass diese Instrumente nur einzelne Facetten von dem zum Gegenstand haben, was Berufsbildung und eine Berufsbildungspolitik ausmachen. Im Buch Kernberufe wird deshalb ein Vorschlag entwickelt, wie europäische Kernberufe dazu beitragen können, einen europäischen Bildungsraum mitzugestalten. Die Idee für europäische Kernberufe basiert auf einem arbeitsprozessbezogenen Ansatz, der Arbeit und Bildung umfassend betrachtet, und der als Grundkonzept für Berufsbildungsprofile geeignet ist, die in allen europäischen Ländern relevant sind. Der Arbeitsprozessbezug garantiert dabei die Verbindung zu den Herausforderungen des Arbeitsmarktes, aber auch zu den übergeordneten Bildungsansprüchen von Mitgliedern moderner Gesellschaften.

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1 Berufsbildung in Europa im Wandel 11

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Berufsbildung in Europa im Wandel 11 1 Berufsbildung in Europa im Wandel 1.1 Bildungspolitische Aktivitäten und Maßnahmen der EU Geschichtlich betrachtet gab es im Spätmittelalter bis zum Beginn der Industria- lisierung schon einmal ein funktionierendes und zum Teil schon länderübergrei- fendes „Berufs- bzw. Weiterbildungssystem“: die Wanderschaft der zünftigen Handwerksgesellen. Die Wanderschaft der Gesellen diente dazu, die Fähigkeiten und das Wissen zum Meister zu erwerben, sich also in einem bestimmten Beruf (weiter) zubilden. Die Möglichkeit, dass diese berufliche Weiterbildung in un- terschiedlichen europäischen Ländern möglich war und anerkannt wurde, ver- weist darauf, dass in den Zünften und Gilden international akzeptierte professio- nelle Standards galten. Die Herausbildung der europäischen Nationalstaaten und der industriellen Produktion, die national betrachtet, sich zu Nationalökonomien mit unterschiedlicher Prägung entwickelten, führte dann im Verein mit dem „Niedergang des Handwerks“ (der in Deutschland allerdings Ende des 19. Jahr- hunderts mit der Handwerkernovelle gebremst wurde) dazu, dass sich eigen- ständige, national geprägte Berufsbildungssysteme herausbildeten, die bis heute Bestand haben. So unterscheiden sich betrieblich-korporativ geprägte Ausbil- dungsstrukturen im Dualen System in einigen zentraleuropäischen Ländern deutlich von mehr schulisch ausgerichteten Berufsbildungssystemen wie z. B. in Frankreich. Wiederum andere Länder, wie insbesondere England, setzen stärker auf marktgestützte Formen der Qualifizierung (vgl. Winterton 2007; Schelten 2004, S. 86 ff.). Ausgehend vom Anspruch der europäischen Politik, einen ge- samteuropäischen Wirtschaftsraum und Arbeitsmarkt zu schaffen, ist es nahe liegend und...

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