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Kernberufe

Ein Baustein für ein transnationales Berufsbildungskonzept

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Georg Spöttl and Jessica Blings

Die europäische Diskussion zur Gestaltung einer länderübergreifenden Berufsbildungspolitik konzentriert sich vorrangig auf einzelne Instrumente, die kaum in der Lage sein dürften, den eigenen Anspruch, nämlich einen europäischen Berufsbildungsraum zu gestalten, einzulösen. Der Grund dafür ist, dass diese Instrumente nur einzelne Facetten von dem zum Gegenstand haben, was Berufsbildung und eine Berufsbildungspolitik ausmachen. Im Buch Kernberufe wird deshalb ein Vorschlag entwickelt, wie europäische Kernberufe dazu beitragen können, einen europäischen Bildungsraum mitzugestalten. Die Idee für europäische Kernberufe basiert auf einem arbeitsprozessbezogenen Ansatz, der Arbeit und Bildung umfassend betrachtet, und der als Grundkonzept für Berufsbildungsprofile geeignet ist, die in allen europäischen Ländern relevant sind. Der Arbeitsprozessbezug garantiert dabei die Verbindung zu den Herausforderungen des Arbeitsmarktes, aber auch zu den übergeordneten Bildungsansprüchen von Mitgliedern moderner Gesellschaften.

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3 Alternative Diskussionsstränge in der nationalen und europäischen Berufsbildung 25

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Alternative Diskussionsstränge in der nationalen und europäischen Berufsbildung 25 3 Alternative Diskussionsstränge in der nationalen und europäischen Berufsbildung 3.1 Nationale Ansätze zur Definition und Etablierung einer modernen Beruflichkeit Es ist zu erwarten, dass Deutschland aufgrund seines auf einer langen Tradition beruhenden, hoch entwickelten und gleichsam sehr spezifischen (dualen) Be- rufsbildungssystems von dem geplanten gesamteuropäischen Perspektivwechsel in der Berufsausbildung in besonderem Maße betroffen sein wird. Der Un- terschied zum künftigen europäischen Berufsbildungskonzept besteht vor allem darin, dass „die menschlichen Fähigkeiten, die für die Durchführung von Arbeitsprozessen re- levant sind, auf eine neue Art definiert, in spezifischer Form bewertet und zertifiziert sowie individuell dokumentiert werden“ (Greinert 2007, S. 249). Darüber hinaus stehen das bisherige Berufskonzept und die damit zusammen hängende Beruflichkeit zur Disposition. Trotz aller Kritik am Beruf und der damit verbundenen Beruflichkeit ist je- doch davon auszugehen, dass Beruflichkeit auch weiterhin wichtiges organisie- rendes Prinzip von Arbeit in Deutschland sein wird.7 Aufbauend darauf setzen wir uns mit Fragen der Gestaltung der Berufsbilder und der Berufsbildung aus- einander, wobei vor allem Antworten zur zukünftigen berufsfachlichen Organi- sation der Berufsausbildung gegeben werden. Mit dieser Feststellung kommt bereits zum Ausdruck, dass nicht der Schluss gezogen wird, aus dem Bedeu- tungsverlust der klassischen Facharbeit müsste zwangsläufig die Vergänglich- keit der Beruflichkeit resultieren, die von manchen Industriesoziologen mit der „Entberuflichung“ der Prozesse der industriellen Arbeit begründet wird (vgl. dazu z.B. Greinert 2007, S. 347 ff.; Kutscha 1992;...

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