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Krieg als Projektion

Das Israelbild linker deutscher Printmedien zur Zeit des Gaza-Konflikts 2008/2009

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Martin Maier

Diese Studie analysiert die Berichterstattung deutscher Linksmedien über Israel und Palästina während des Gaza-Krieges. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die zur Beschreibung des Konfliktes und seiner Akteure verwendeten Begriffe und Symbole gelegt und das damit vermittelte Bild des jüdischen Staates erhellt. Mittels einer Diskursanalyse wird der Beitrag aktueller Zeitungsberichte und Kommentare für die Reproduktion antisemitischer aber auch proisraelischer Stereotype aufgezeigt. Welche Rolle spielt heute der Antizionismus im linken Diskurs über Israel? Zur Beantwortung dieser Frage müssen auch jene Widerspiegelungen der deutschen Geschichte sichtbar gemacht werden, die – meist nicht bewusst – die Beschreibung und Bewertung des Nahostkonflikts beeinflussen.

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II. (Anti-)Zionismus, Judenhass und Proisraelismus im Spiegel deutscher Geschichte 29

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29 II. (Anti-)Zionismus, Judenhass und Proisraelismus im Spiegel deutscher Geschichte Werner Bergmann und Rainer Erb haben in den achtziger Jahren einen gravie- renden Bedeutungsverlust des Antisemitismus konstatiert und seine Genese „von einer politischen Ideologie zu einem privaten (Massen-)Vorurteil“ damit begründet, dass „affektive Feindbilder gegenüber Asylanten, Arbeitsmigranten usw. psychische Energie binden und vermutlich zu einer Schwächung und Abs- trahierung des antisemitischen Vorurteils führen“ (Bergmann/Erb 1986, 224). Diese Überlegung vermag in ihrer kausalitätstheoretischen Schlichtheit ebenso wenig zu überzeugen, wie die Auffassung der beiden Autoren, das Verschwin- den des Stereotyps ginge einher mit der „geringen Zahl der in Deutschland le- benden Juden“ (ebd.), die helfe, sie aus dem Fokus der Wahrnehmung zu ver- drängen. Die Bedeutung des Antisemitismus für eine Schlussstrich-Bewältigung der Geschichte und als Stützpfeiler für die nationale Identität wandelt sich nicht mit einer größeren oder geringeren Anzahl jüdischer Gemeindemitglieder. Überzeugender erscheinen ihre Ausführungen zum Formwandel des Antisemi- tismus, der der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit geschuldet gewesen sei und die „Erzeugung von Kommunikationslatenzen [erforderte], wo eine Normalisierung schwer möglich ist.“ (ebd., 228) Gleichzeitig sei eine dis- kursive Ausgrenzung offen antisemitischer Positionen erfolgt, die meist aus der extremen Rechten stammten, (vgl. ebd., 231). Für den hier verhandelten Kontext sind insbesondere ihre Überlegungen zur vorhandenen Beobachtung Israels durch Deutsche interessant, deren Blick in seiner Fixiertheit gerade auf den jüdischen Staat als Suche nach Ausgleich für die ‚eigenen’ Verbrechen gewertet wird: „So werden etwa...

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