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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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Einleitung: Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral? - 11

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11 Einleitung: Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral? Die ‚Erziehung der nachwachsenden Generation‘ steht gesellschaftlich, indivi- duell und fachlich unter Ansprüchen, die entlang gesellschaftlich brennender Fragen, Themen und Problemen entstehen. Zu diesen zählen gegenwärtig – wie auch historisch – Fragen moralischer Lebensführung und Verantwortung. Die Forderung nach Moralerziehung ist daher zu allen Zeiten beinahe ungebrochen. Allerdings scheinen die in diesem Rahmen gestellten Ansprüche hoch gesteckt zu sein: die ‚nachwachsende Generation‘ solle (wieder) Werte wie Disziplin und Selbstdisziplin, Respekt und Verantwortungsbewusstsein, Anstand und Zivil- courage vermittelt bekommen. Elternhaus und Schule sollen ‚die Jugend‘ mora- lisch, anständig und zugleich selbstbewusst couragiert machen. Diese Werte sol- len sie in die Lage versetzen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und die sozialen Strukturen auch zukünftig zu stützen. Gleichzeitig verunsichern die Fragen, ob denn ‚Moral‘ überhaupt (noch) Ge- genstand bzw. Orientierungspunkt der Erziehung sein dürfe. Was ist unter Moral zu verstehen? Kann Erziehung überhaupt einen Beitrag zur ‚Moralisierung’ Ein- zelner und der Gesellschaft leisten? Verbergen sich hinter diesen Ansprüchen kirchliche bzw. religiöse Autoritäten? Gibt es allgemein verbindliche Normen? Wie soll man mit ‚fremden’ kulturellen, religiösen und – daraus wird geschlos- sen – ethischen Ansichten umgehen? Untergräbt die technische Entwicklung nicht alle ethischen Grundlegungsversuche? Ergänzt werden die Probleme, die gegensätzliche und widersprüchliche Ansprü- che an Erziehung bereiten, durch die Universalisierung kontingenter (Wert-) Entscheidungen. Diese werden als sicherer und fester Boden für die Erziehung ausgegeben. Zugleich beobachtet man die...

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