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Der Piropo als Instrument verbaler Interaktion

Eine soziopragmatische Untersuchung am Beispiel Venezuelas

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Judith Schreier

Der Piropo wird generell als Kompliment definiert, das ein Mann in spanischsprachigen Kulturen einer unbekannten Frau gegenüber in aller Öffentlichkeit äußert. Dieses «Kompliment» kann für die Angesprochene sowohl positiv als auch negativ ausfallen. Dabei stellt sich die Frage nach der Funktion des Piropo in der Interaktion zwischen Mann und Frau. Beeinflusst er deren Identitätsbildung? Welche sozialen Werte kommen in ihm über die Generationen hinweg zum Ausdruck? Um eine Antwort zu finden, wurden literarische und sprachwissenschaftliche Veröffentlichungen der letzten hundert Jahre konsultiert und vor dem Hintergrund der sozialen Normen für das gesellschaftliche Zusammenleben analysiert. Die Analyse des Piropo als Instrument sozialer Interaktion in der Gegenwart sowie seine Abgrenzung vom Kompliment basieren auf Daten, die in der venezolanischen Andenstadt Mérida erhoben wurden.

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Schluss 257

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Schluss Im Verlauf dieser Arbeit wurde angestrebt, ein möglichst umfangreiches und vollständiges Bild des Piropo in Venezuela darzustellen, angefangen bei dem so- ziohistorischen Hintergrund, der seine Existenz förderte und ermöglichte bis hin zu den in der Umfrage erhobenen Daten, die Zeugnis über seinen aktuellen Gebrauch ablegen. Dabei wurde deutlich, dass es sich beim Piropo von Anfang an um ein Instrument verbaler Interaktion zwischen Mann und Frau handelt, des- sen spezifische Funktion die Vermittlung des emotionalen Zustands, den der An- blick einer Frau in einem Mann weckt, ist. Kennzeichnend für den Piropo ist der rhetorische Anspruch, der an den Sprecher gestellt wird und der diesen Sprechakt zur Wortkunst erhebt und ihn Bestandteil der Folklore werden lässt. Allerdings offenbart der Piropo nicht nur die meist erotischen Gefühle des Sprechers. An- hand seiner Semantik und Kommunikationssituation gibt er Aufschluss über die sozialen Werte und kulturellen Besonderheiten der Gesellschaft — unabhängig von Raum und Zeit — und spiegelt die Rollenbilder von Mann und Frau wider. Er kann somit als soziales Barometer betrachtet werden. In dieser Funktion hat er für die Interaktanten einen identitätsstiftenden Charakter. Wie aus der Umfrage hervorging, haben besonders die Männer sehr konkrete Vorstellungen von dem Typ Mann, der Frauen gegenüber in aller Öffentlichkeit Piropos äußert. Sie be- trachten ihn als unzuverlässig und unseriös und distanzieren sich von diesem Männerbild. Frauen richten das Augenmerk viel stärker auf den Inhalt des Piropo und die Art der Äußerung....

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