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Al-Ğuwaynīs Position im Disput zwischen Traditionalisten und Rationalisten

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Amir Dziri

Der muslimische Scholastiker Al-Ğuwaynī (gest.1089) lebte und wirkte in der als «formative Phase des Islam» (8.-12. Jahrhundert) bekannten Zeit. Diese wurde geprägt durch eine enorme theologische Dynamik, die zur Herausbildung diverser Denkschulen führte. Diese Arbeit zeichnet diese Entwicklung anhand der Ansätze Al-Ğuwaynīs nach und setzt diese in Bezug zu den Positionen der traditionalistischen und rationalistischen Strömungen. Weiter führt sie in die Grundfragen früh-islamischer Theologie ein, behandelt methodische Aspekte zur Hermeneutik der Offenbarung und vermittelt einen Eindruck islamischer Argumentation und Dialektik.

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V) DER STREIT UM DIE GÖTTLICHEN ATTRIBUTE 71

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71 V) Der Streit um die göttlichen Attribute 1.) Einführung Ein Grundthema der spekulativen Theologie behandelt die Fragen nach der Be- schaffenheit und Komposition der Wesenheit Gottes. Dazu stehen besonders die Attribute Gottes im Vordergrund. Durch die üppigen Charakterisierungen Gottes durch diverse Namen und zugeschriebenen Attributen, welche teils schriftlich, teils mündlich tradiert wurden, hatte man auf der einen Seite ein sehr anschauli- ches, wenn nicht gar plastisches Bild der Wesenheit Gottes entwerfen können. Auf der anderen Seite allerdings versuchte man jenen anthropologisch kompara- tivistischen Entwurf zu verhindern, um die Sakralität der Essenz Gottes nicht zu relativieren. Daher verlief der Spannungsbogen innerhalb der Attributenlehre hinsichtlich des Verhältnisses von der persönlichen Erfahrbarkeit Gottes und der Aufrechterhaltung der uneingeschränkten Sakralität seiner Wesenheit.228 Die Ursache für das Aufkommen jener Fragestellung sieht die große Mehr- heit der neuzeitlichen und modernen Beobachter in der Konfrontation der isla- mischen Kultur mit anderen religiösen oder ideologischen Kulturen und Weltan- schauungen, welche aufgrund der rapiden Expansion des Islams unvermeidbar geworden war. Eine besondere Rolle hinsichtlich der Entstehung und Entwick- lung der Attributen-Kontroverse schreiben viele Beobachter der christlichen Trinitätslehre zu. Hierauf soll, soweit für unsere Zwecke dienlich, ebenfalls Be- zug genommen werden. Daraufhin folgt die Darstellung der Positionen von Ra- tionalisten und Traditionalisten. Im letzten Teil soll anschließend der Lösungs- ansatz al-Ǧuwaynīs vorgestellt und mit den beiden erst genannten Positionen verglichen werden. 2.) Das muʿtazilītsiche Prinzip des Monotheismus Die chronologisch...

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