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Die Wirkung des offiziellen Diskurses auf die Alltagssprache in Kuba

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Cornelius Griep

Mit Hilfe einer diskursanalytischen Methode wird der offizielle Diskurs in Kuba und seine erhebliche Wirkung auf die Alltagssprache und -kultur untersucht. Ausdrucksmittel der Affinität zum offiziellen Diskurs werden von solchen des Nonkonformismus unterschieden. Bestandteile der Analyse sind alltagstypische Sprechweisen, kognitiv-sprachliche Muster, kulturelle Praktiken und Kommunikationsstrukturen. Das interdisziplinäre Herangehen ermöglicht auch die Aufdeckung soziokultureller Merkmale und Identitätsstrukturen, was zu einem ganzheitlichen Verständnis der kubanischen Idiosynkrasie beiträgt. Deren kulturelle Manifestationen werden in einen Zusammenhang mit der derzeitigen Sprachsituation auf der Insel gestellt. Die Multimediapräsentation auf der beiliegenden CD-ROM enthält die Datenbasis der Analyse, u. a. den Dokumentarfilm Rincón (Käufer der E-Book-Version erhalten die Multimedia-Datei auf Anfrage).

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3. Theoretische Grundlagen und Anwendungder Untersuchungsmethode

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27 3. Theoretische Grundlagen und Anwendung der Untersuchungsmethode 3.1. Rahmen- und Diskursanalyse Die Diskursanalyse entwickelte sich ursprünglich aus den Sozialwissenschaften (vgl. FOUCAULT 1971) und ist erst seit Ende des vorigen Jahrhunderts als inter- disziplinäres Forschungsfeld etabliert. Nach KELLERs Auffassung von der Art des Wahrnehmens, Sammelns von Erfahrungen und Handelns erschafft sich je- der Mensch ein Interpretationssystem (KELLER spricht von Wissen) ent- sprechend seinen gesellschaftlich-materiellen Voraussetzungen. Dieses Wissen von der äußeren Welt basiert auf symbolischen Systemen, die sozial konstruiert, typisiert und (mehr oder weniger) allgemein anerkannt sind. Infolgedessen entwickeln Menschen typische Deutungs- (und Handlungs-) muster und erschaf- fen dadurch ihre intersubjektiven Weltkonstruktionen beziehungsweise Inter- pretationsschemata. „Unser Deutungs- und Handlungswissen über die Welt ist Teil gesellschaftlich hergestell- ter, mehr oder weniger konflikthafter, im Fluss befindlicher symbolischer Ordnungen bezie- hungsweise Wissensvorräte“ (KELLER 2003:118). Mittels ihrer Institutionen stellt die Gesellschaft den sozialen Akteuren gesellschaftlich und historisch entstandene, komplexe Wissensbestände zur Ver- fügung, die sozialisatorisch angeeignet werden und sich auf verschiedene Hand- lungs- und Deutungsprobleme beziehen. Dabei fungieren die Akteure als Adres- saten dieser Wissensbestände, haben aber die Möglichkeit hinsichtlich ihres sub- jektiven Interpretationsschemas Informationen zu werten, zu aktualisieren, zu erneuern oder umzuwandeln. „Dieser historisch entstandene und kontingente Wissensvorrat wird dem Individuum von den verschiedensten Vermittlungsinstanzen (zum Beispiel Familie, Peergroups, Bildungsein- richtungen, Massenmedien) als objektiv gegeben vorgestellt und von den Subjekten in unter- schiedlichsten Prozessen und Situationen angeeignet“ (KELLER 2003:118). Bereits Mitte der 1960er Jahre analysierten BERGER und LUCKMANN die Struktur gesellschaftlicher Wissensvorräte und...

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