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Sprachliche Dynamiken

Das Italienische in Geschichte und Gegenwart

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Edited By Maria Selig and Gerald Bernhard

Die Beiträge dieses Bandes widmen sich aktuellen Themen der italianistischen Linguistik und erproben Konzepte und Methoden, die die Dynamik und Variabilität der italienischen Sprache in Geschichte und Gegenwart sichtbar machen. An sprachhistorischen, syntaktischen, semantischen und varietätenlinguistischen Fragestellungen wird aufgezeigt, dass die Italianistik hinsichtlich ihrer methodischen und theoretischen Grundlagen mehrfach dazu beigetragen hat, reduktionistische und ausschließlich auf die theoretische Homogenisierung bedachte Ansätze aufzusprengen. Mehrsprachige Kommunikationsräume, vielschichtige Varietätengefüge, instabile und durch einen hohen Grad an Allomorphie gekennzeichnete mittelalterliche volgari, Kontaktvarietäten und linguae francae sowie entwicklungsoffene semantisch-syntaktische Paradigmen sind genuine Forschungsgegenstände der Italianistik. Sie erfordern eine dynamische Konzeptualisierung und eine reflektierte Vermittlung zwischen der komplexen Datenlage und der wissenschaftlichen Systematisierung. Der Band kann zeigen, dass der italianistischen Linguistik deshalb vielfach eine Vorreiterrolle bei der Erprobung neuer Konzepte und Methoden in der Sprachwissenschaft zukommt.

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Martin Becker Modus und expletive Negation in der Geschichte des italienischen Disparitätsvergleichs 35

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Modus und expletive Negation in der Geschichte des italienischen Disparitätsvergleichs Martin Becker 1. Einleitung In meinem Beitrag möchte ich den Wandel des Verhältnisses zwischen der Kategorie Modus und der sogenannten expletiven Negation, dem non esple- tivo, im Rahmen des Disparitätsvergleichs näher beleuchten. Dabei werde ich im Weiteren auf drei grundlegende Fragestellungen eingehen, deren Be- handlung ein kohärenteres Bild der funktionalen Beziehungen zwischen den genannten Aspekten erbringen soll. So ist im Einzelnen zu fragen: Wie lässt sich die Funktion des non espletivo generell bzw. im Hinblick auf den spezifischen Beispielfall des Disparitätsvergleichs charakterisie- ren? Wie verteilen sich expletive Negation und Modus in den älteren Sprach- stufen des Italienischen und wie lässt sich diese Verteilung satzseman- tisch interpretieren? Wie stellt sich das funktionale Verhältnis von non espletivo und Modus im heutigen Standarditalienisch dar und welche semantischen Faktoren sind hierfür in Anschlag zu bringen? 2. Die satzsemantische Rolle des non espletivo Einen wesentlichen Zugang zum Phänomen der expletiven Negation hat der französische Linguist Robert Martin in seiner Monographie Langage et croyance (Martin 1987) gefunden. In dem von verikonditionalen Überlegun- gen stark geprägten Werk gibt er der psychologisierenden Interpretation des Martin Becker 36 Phänomens als „ne discordantiel“1 durch Damourette und Pichon eine mo- dalsemantische Wendung. Danach ist die expletive Negation „das Zeichen eines Widerspruchs“ zwischen zwei evozierten Welten: Die in Rede stehende Proposition ist in einer der beiden Welten wahr, in der Alternativwelt ist sie hingegen falsch.2 (1)...

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