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Studienbuch Gender & Diversity

Eine Einführung in Fragestellungen, Theorien und Methoden

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Corinna Onnen and Vera Bollmann

Dem Geschlecht als sozialer Strukturkategorie kommt im Rahmen der Geschlechterforschung eine besondere Bedeutung zu. Diese Kategorie beinhaltet ein bedeutendes Potenzial zur Erklärung der sozialen Ungleichheit: die soziale Organisation der Arbeitsteilung, der Sexualität, des generativen Verhaltens wie auch die Verteilung von Macht oder die kulturelle Ordnung werden daher unter einer «Geschlechterperspektive» betrachtet, unter der Gender & Diversity-Perspektive. Was sich unter dieser Perspektive verbirgt und womit sich Gender & Diversity-Ansätze beschäftigen bzw. wie wir mit einer erlernten Gender-Perspektive gesellschaftliche Gegebenheiten erkennen und verbessern können, ist spontan nicht zu erkennen. Das Studienbuch umfasst 13 Lerneinheiten und zeigt aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive unterschiedliche Ursachen für diese Geschlechterdisparitäten. Es werden sowohl wichtige theoretische Erklärungsansätze als auch themenspezifische Perspektiven auf soziale Räume behandelt.

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A. DIE BASIS

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1. LERNEINHEIT: VON DER ERSTEN DEUTSCHEN FRAUEN- BEWEGUNG ZU DEN GENDER STUDIES Wir grenzen die Thematik chronologisch ein und beginnen in dieser his- torischen Rückschau mit der Gründerin der deutschen Frauenbewegung Louise Otto Peters (1819-1895) und den darauf folgenden sozialdemo- kratischen Anfängen. Die bürgerliche und die proletarische Frauenbe- wegung zählen zu den ersten politisch sichtbaren Erscheinungen von Frauen – ihre Forderungen liefern die Basis für die Entwicklung bis zu den heutigen Auffassungen über Geschlechterverhältnisse. Die national- sozialistische Zeit prägte ein eigenes Mutterrollenbild und eine „natür- liche“ Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen einerseits und an- dererseits das Bild eines Mitglieds im „Bund deutscher Frauen (BDF)“, der sich als „Deutsche Frauenfront“ verstand. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war durch verschiedene soziale Lagen von Frauen geprägt und lässt sich nicht verallgemeinern. Teilweise sprach man vom „erzwungenen Matriarchat“, was die Situation der vie- len allein erziehenden Frauen oder Kriegerwitwen beschreiben sollte. Die Studentenbewegungen der 1967/68er Jahre gelten schließlich als Ur- sprung der Neuen Frauenbewegung, die in ihrer Entwicklung seit den 1970er Jahren eine Reihe von Denkanstößen und theoretischen Entwick- lungen initiiert hatte. GESCHICHTE DER DEUTSCHEN FRAUENBEWEGUNG Den Beginn der Frauenbewegung legt man am ehesten ins Zeitalter der Aufklärung ins 17. und 18. Jahrhundert. Die „Aufklärung“ bezeichnet ei- nen gesamtgesellschaftlichen Emanzipationsprozess, welcher die bis da- hin gültigen Weltanschauungen kritisch hinterfragt, die allein auf den Glauben an Autoritäten beruhen. Die Benutzung des „eigenen Ver- stands“ wird allerorten eingefordert;...

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