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Bach-Interpretationen – Nationalsozialismus

Perspektivenwandel in der Rezeption Johann Sebastian Bachs

Eduard Mutschelknauss

In diesem Buch werden zentrale Verknüpfungen zwischen den Bach-Interpretationen und der NS-Ideologie untersucht. Die Detailschärfe basiert auf zahlreichen Originaldokumenten aus Archiven sowie auf literarischen Zeugnissen. Erstaunlicherweise reichen einige der relevanten Quellen bis weit vor die Zeit des NS-Regimes zurück. Der Autor zeichnet zudem nach, wie subtil einzelne Geschichtsmotive innerhalb der historischen Diskurse fortgeführt werden: Diese werden beibehalten, gebündelt, durch neue Inhalte ergänzt und verändert, sodann zunehmend ideologisch verdichtet. Die Reflexion der facettenreichen Bach-Geschichtsschreibung betritt neben den nationalen Deutungshorizonten das Feld noch heiklerer Aspekte, etwa der Rassenideologie oder des Antisemitismus, wie sie uns besonders um die Zeit des NS-Machtantritts und im Deutschen Reich unter Hitler in den literarischen Bach-Interpretationen begegnen.

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Epilog

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Nimmt man die in den vorangegangenen Kapiteln gemachten Untersuchungen zur Kenntnis, dann ist zu konstatieren, dass sich die Ideologisierung der Bach- Geschichtsschreibung im Umfeld des Nationalsozialismus aus dem Blickwinkel des Interpreten als ein durchaus heterogenes Feld darbietet, bei dem sich unter- schiedliche Sachkontexte und Inhalte, die wiederum in sehr facettenreich struktu- rierten Ursprüngen und Geschichtslinien wurzeln, ineinander verschränken. Dennoch sind vielerorts Kontinuitäten klar zu erkennen und – sowohl den An- fängen nach als auch gemäß ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien und Diskursgeschichten – zu benennen, die in die Periode der NS-Herrschaft ein- münden und dort eine Aspektverengung und Konzentration erfahren. Festzustel- len sind um 1933 und recht bald nach der so genannten NS-Machtergreifung am 30. Januar für die Folgejahre entsprechende Radikalisierungen, ideologische Vertiefungen, Verdichtungen, indem Zusammenhänge noch gedrängter, kom- primierter aufgefasst worden sind, als dies zuvor in der Breite geschehen war. Inhaltlich betrifft dies bezüglich der Bach-Rezeption den Nationalismus, die kulturhegemoniale Projektion, die bei in der Bach-Geschichtsschreibung zwar längst zuvor schon angelegt und teilweise – zu nennen ist hier durchaus eine Linie wie die nach Forkel über Spitta und Wolfrum bis in die NS-Gegenwart, um nur eine der vielen möglichen historiographischen Verbindungswege anzudeuten – geradezu zwanglos dargelegt worden war, weiterhin völkische Anschauungen und zuoberst die Rassendiskussion, in deren Dunstkreis das Nordische und Ger- manische, bei Bach seltener noch das Arische, aber in jedem Falle auch eine, auf Bachs völkisch-regionale Herkunft bezogen, hervorstechende Leistungskraft angesiedelt sind. Wesentliche Teile hiervon brachen als Interpretationsmodule nach 1945...

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