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Botschaften an die Nachwelt

Was Anne Frank und andere Jüdinnen in der Nazidiktatur ihrem Tage- oder Erinnerungsbuch anvertrauten

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Norbert Kluge

Welche Botschaften haben uns die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verfolgten Jüdinnen hinterlassen? Sie wurden entweder in Tagebüchern vor Ort oder später nach der Befreiung in Erinnerungsbüchern als Vermächtnis für die Nachwelt notiert. In den einzelnen Kapiteln steht nicht so sehr der Zusammenhang von Liebe, Körperlichkeit und sexuellem Begehren im Blickpunkt der Ausführungen. Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Darstellung die Gegenseite zwischenmenschlicher und liebender Zuwendung: den kollektiven Hass einer unmenschlich praktizierten Herrschaftsdoktrin an herausragenden Beispielen aufzuzeigen. Folgende Autorinnen wurden für ein erstes Resümee ausgewählt: die Deutsch-Niederländerin Anne Frank, die Französin Hélène Berr, die aus Böhmen stammende Eva Mändl Roubičková, die in Mähren geborene Ruth Elias, die in Bosnien-Herzegowina zur Welt gekommene Hanna Lévy-Hass und die Litauerin Mascha Rolnikaite.

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Die sechs behandelten Tage- bzw. Erinnerungsbücher der jungen jüdischen Au- torinnen könnten auch heute noch dem letzten Holocaust-Leugner als authenti- sche Quelle dienen, um festzustellen, was im Rahmen der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten, ja der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, alles an Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten menschenmöglich war. Aber obwohl seit 1994 in der Bundesrepublik Deutschland die Leugnung des Holocaust nach Paragraf 130 Abs. 3 des Strafgesetzbuchs verboten ist, gibt es bei uns und anderswo immer noch Menschen, die ungeachtet der Fakten, die von seriö- sen Historikern anerkannt sind, sich darüber hinwegsetzen, indem sie den Völker- mord des NS-Regimes an den europäischen Juden ignorieren, verharmlosen oder gar billigen. In Deutschland wurden in letzter Zeit als Holocaust-Leugner bekannt und von Gerichten auch verurteilt: der Rechtsextremist Horst Mahler und Revisionist Ernst Zündel. Während Mahler mehrmals wegen des Tatbestands der „Volksver- hetzung“ (StGB § 130) verurteilt wurde, musste Zündel die Höchststrafe von fünf Jahren im Gefängnis verbüßen. Im März 2010 wurde er aus der Justizvoll- zugsanstalt Mannheim entlassen. Ebenso machten auch im Ausland notorische Holocaust-Leugner auf sich aufmerksam. So stellte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad seit 2005 des Öfteren den millionenfachen Judenmord zwischen 1940 und 1945 als „Märchen“ und den Holocaust insgesamt als „Mythos“ und „Lüge“ dar. Die westlichen Staaten haben ihm daraufhin heftig widersprochen und ihn dafür öffentlich kritisiert. Spektakulär waren gleichermaßen in den vergangenen Jahren die Schoah leug- nenden Aussagen des...

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