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Die Pashtunen und ihre Bedeutung für regionale und internationale Konflikte

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Robert Haag

Mit diesem Buch legt der Autor die erste umfassende Untersuchung über Geschichte und aktuelle Formationen der Pashtunen beiderseits der Durand-Line vor. Die Arbeit zeigt auf, wie sich weite Teile der segmentären pashtunischen Gesellschaften im Verlauf einer mehrhundertjährigen wechselhaften Geschichte in ihrem Siedlungsgebiet, die modernen Staatsgrenzen Afghanistans und des heutigen Pakistans übergreifend, gegen kolonisierende Durchdringung und Unterwerfung unter staatliche Herrschaft behaupten konnten. Ein wesentliches Erklärungsmoment der Untersuchung ist die flexible, vielfach verschachtelte Beziehungsstruktur innerhalb segmentärer pashtunischer Gesellschaften und das damit verbundene Phänomen der komplementären Opposition. Die regionalspezifischen ethnologischen und sozialstrukturellen Besonderheiten werden durch die Berücksichtigung geographischer, geostrategischer und sozialräumlicher Eigenschaften unterlegt. Dadurch wird die spezielle Position des pashtunischen Siedlungsgebiets (im Besonderen die des pashtunischen Kerngebietes) erklärt, die es den Stämmen ermöglicht, sich einer einseitigen staatlichen Durchdringung zu entziehen und ihnen gleichzeitig Chancen der Einkommensgenerierung bietet. Auch die Perspektiven des aktuellen Konflikts in Afghanistan und Pakistan können auf Basis der Untersuchung besser eingeschätzt werden.

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Vorwort

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Mit seiner Dissertation legt Robert Haag die erste komprehensive Untersuchung über Geschichte und aktuelle Formationen der Pashtunen beiderseits der Durand-Line vor. Zwar hatten Mountstuart Elphinstone und fast 150 Jahre später der letzte britische Gouverneur der NWFP, Olaf Caroe, eine die Gesamtheit der pashtunischen Stämme umfassende Dokumentation vorgelegt. Bei Elphinstone handelte es sich aber um eine Form der Palastethnographie, bei der die Informanten gewissermaßen vor dem Diwan des Forschers in Peshawar auftraten, während Caroe aus der Perspektive des Kolonialbeamten eine gleichwohl emphatische ethnohistorische Darstellung entfaltet. Bei beiden Autoren bestimmt die geographische Position des Ausgucks die Selektion der Informationen. Der Volet Afghanistan ist nur Hintergrund für die Darstellung der tribalen Konstellationen im Sulaiman-Gebirge und der vor allem südlich, östlich und nord-östlich angrenzenden Regionen der Durand-Line. Elphinstones schottische Her- kunft erleichterte ihm das Verständnis der politischen Diversität pash-tunischer Gesell- schaften, insbesondere der „unbotmäßigen“ autonomen Stämme. Das Buch dieses hervorragenden Diplomaten und Gelehrten, „An Account of the Kingdom of Caubul, and its dependencies, in Persia, Tartary, and India“, ist außerhalb der Regional- literatur in seiner Bedeutung für die politische Anthropologie bis heute nicht wahrgenommen worden. Sein Ansatz wird in Fredrik Barths Monographie „Political Leadership among Swat Pathans“ weitergeführt. Barth überwindet die regionale Ver- engung des Begriffs der segmentären Gesellschaft durch „African political systems“ in der Analyse der von Yusufzai dominierten Kastengesellschaft des Swat-Tals, wo sich trotz Zentralisierung grundlegende egalitäre Tendenzen und Blockbildungen nach- weisen ließen. Damit sind...

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