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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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HUNGERSTREIKENDE UND HUNGERKÜNSTLER ALS AKTEURE NEUZEITLICHER THEATRALITÄT

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. Hypothesen Vorbemerkung: Welche forschungsleitenden Annahmen könnten den im Titel ge- nannten, bisher unerschlossenen Gegenstand fokussieren? Hierzu sollen, als Vor- schlag, einige Thesen zur Diskussion gestellt werden. 1 1. Zum Hungerstreik: 1.1. Hungerstreik und Korporalität 1.1.1. Hungerstreik (HS) ist zugleich Ent-Körperlichung und VerKörperung. Hungerstreikende verzehren nur ihren eigenen Körper. So destruieren sie ihn zu einem homogenen indexikalischen Zeichen, das auf die je konkre- ten Inhalte ihres Protestes verweist. 2 Sie „schreiben“ diesen Protest (im Sinne von Foucault) in den Körper ein 3 als jedenfalls der Intention nach – also nicht immer real! – beherrschbare physische Selbstzerstörung. In der „Beherrschung“ dieses Prozesses sind sie Darsteller; denn eine Verschmel- zung mit der „Rolle“ wäre (und ist mitunter) tödlich – nicht anders als die Verschmelzung des Othello-Darstellers mit seiner Rolle für die Darstelle- rin der Desdemona tödlich wäre. 1.1.2. Indem sie sich ganz und gar auf ihre Körperlichkeit konzentrieren, um sie in der Entkörperlichung nicht vollends (durch Hungertod) zu ver- lieren, entfernen sie sich auf andere Weise ganz und gar von dieser Kör- perlichkeit: nämlich durch Verkörperung. „Dieses Wort... ist seltsam: eine Sache wird verkörpert, erhält einen Körper, aber trägt diesen nur, ist die- ser nicht.“ (Jeggler 1980, 234). Die Hungerstreikenden borgen gleichsam ihre Körper her für eine „Sache“, ein sonst körperloses Abstraktum, und machen sie auf diese Weise zum Symbol. So wie in der ent-körperlichen- den (aber den Körper, in...

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