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«Sensualistischer Pantheismus»

Seine heuristische Bedeutung im Werk Ludwig Feuerbachs

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Michael Jeske

Feuerbach erkannte im modernen Pantheismus den «Geist der neuern Zeit», der vom jungen Schelling aufgegriffen und von Hegel begriffen worden ist. Unter anthropologischem Vorzeichen gelangt Feuerbach zu einem enttheologisierten All-Einheitsgedanken. Der leibhaftige Mensch, Resultat seiner Religionskritik, wird im Zuge seiner kritisch an Hegel orientierten Spinoza-Rezeption und -Kritik in die Ordnung der Natur gestellt. Dabei kommt dem «sensualistischen Pantheismus» als heuristischem Prinzip eine denkstrategisch bedeutsame Rolle zu. Die Darstellung der Kritik an Hegels Ontotheologie wird ergänzt durch Bezüge etwa zu Goethe, Heine, Marx und Schopenhauer. Zudem wird Feuerbach ins Vorfeld der freudschen Psychoanalyse gestellt. Ein Exkurs zu «Reaktion, Biedermeier, Vormärz» verdeutlicht den historisch-situativen Kontext, aus dem heraus Anliegen und Wirkung der Philosophie Feuerbachs allererst begreifbar werden.

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VIII. Pantheistische Wurzeln des feuerbachschen Natur- und theistische Wurzeln seines Menschenbildes

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127 VIII. Pantheistische Wurzeln des feuerbach- schen Natur- und theistische Wurzeln seines Menschenbildes VIII.1 Götterdämmerung Der Titel des achten Kapitels kann gelesen werden als antizipiertes Resultat die- ser und ihr vorgegangener Studien, die der Verfasser zu Feuerbach angefertigt hat. Feuerbach selbst legt diese Zuspitzung nahe, wenn es etwa im Wesen des Christentums heißt: „[D]er Verstand ist ein universales, pantheistisches Wesen, die Liebe zum Universum, aber die Religion, insbesondere die christliche, ein durchaus anthropotheistisches We- sen, die Liebe des Menschen zu sich selbst, die ausschließliche Selbstbejahung des menschlichen und zwar subjektiv menschlichen, Wesens; […]. Es muß auch noch et- was ganz andres als das Wesen des Verstandes dem Menschen in der Religion Gegen- stand werden, wenn er sich in ihr befriedigen soll, und dieses Etwas wird und muß den eigentlichen Kern der Religion enthalten.“458 Sowohl Feuerbachs Naturbegriff als auch der um die anthropologische Dimen- sion erweiterte Sensualismusbegriff verdanken sich in wesentlichen Zügen der strategischen Funktion pantheistischen Denkens – insbesondere dem kritischen Rekurs auf Spinozas All-Einheitslehre. Während der qualitativ neue Begriff des Menschen weitgehend das Resultat der Kritik des reformatorischen Christen- tums ist.459 Dieses habe „den Gott […] als Gott“460 praktisch negiert, ihn theore- tisch aber bestehen lassen. „Der Pantheismus“ hingegen „ist die Negation der theoretischen, der Empirismus die Negation der praktischen Theologie – der 458 GW 5, S. 93. 459 „Wo Gott noch ein an sich seiendes Wesen ist“, wie im „Katholizismus“, betont Feuer- bach, „ist die Spekulation eine notwendige Folge und Lebensaufgabe. Wie der Gegen-...

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