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Bilingualer Geschichtsunterricht

Theorie, Praxis, Perspektiven

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Elke Müller-Schneck

Bilingualer Unterricht (BU) findet zunehmend Verbreitung in Deutschland. Die Qualität der bilingualen Sachfächer, zu denen u.a. das Fach Geschichte zählt, steht bei Befürwortern und Gegnern des BU im Zentrum der Auseinandersetzung. Welche Chancen bzw. Probleme bietet BU für bilingual unterrichtete Sachfächer? Welche Inhalte, Methoden und Unterrichtsmaterialien eignen sich besonders? Wie werden sprachliche Probleme gelöst? Wann sollte die Muttersprache bzw. die Fremdsprache verwendet werden? Wie sind Leistungen zu bewerten und zu zertifizieren? Die Arbeit greift u.a. diese Fragen auf. Es wurden Lehrkräfte aller Schulformen und Schulen in Nordrhein-Westfalen befragt, an denen systematischer deutsch-englischer Geschichtsunterricht erteilt wird. Ein umfassender Überblick über Modelle und Stand des bilingualen (Geschichts-)Unterrichts in NRW konnte so entwickelt werden. Neben den empirischen Befunden wurden interdisziplinäre Forschungsergebnisse der Bezugsdisziplinen berücksichtigt sowie notwendige erkenntnis-, lerntheoretische und didaktische Grundlagen definiert. Die Studie richtet sich daher besonders an Lehrer, Schulleiter, Unterrichtsplaner, Studierende und Wissenschaftler.

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2. Erkenntnis- und lerntheoretische Grundlagen des bilingualen Geschichtsunterrichts

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2.1. Der Konstruktivismus als Erkenntnistheorie und metatheoretische Grundlage In den letzten Jahren ist im Bereich der Fremdsprachendidaktik eine Hinwen- dung zum Konstruktivismus (z.B. Wolff 1994; Wendt 1996; Wendt 2000; Wolff 1998; Bleyhl 2000) zu erkennen. In der Geschichtsdidaktik gibt es bisher nur wenige Arbeiten, die sich mit der Bedeutung des Konstruktivismus für die Wis- senschaftsdisziplin Geschichte beschäftigen (z.B. Völkel 2002; Lorenz 1997)32. Trotzdem halte ich das Konzept des Konstruktivismus, wie es im Folgenden vorgestellt wird, dafür geeignet, eine bilinguale Geschichtsdidaktik meta- und erkenntnistheoretisch zu untermauern. Um den Konstruktivismus in der Unter- richtspraxis umzusetzen, ist es notwendig, eine sinnvolle Auswahl konstrukti- vistischer epistemologischer Kernaussagen zu treffen. Auf diese Weise kann der scheinbare Antagonismus zwischen Instruktion und Konstruktion überwunden werden. Auch ist es unerlässlich, ausführlich zu erläutern, was in dieser Unter- suchung unter Konstruktivismus verstanden wird, da das Spektrum vorhandener Auslegungen der konstruktivistischen Epistemologie vergleichsweise groß ist. Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, die konstruktivistische Epis- temologie vollumfänglich vorzustellen sowie den gegenwärtigen Stand der Dis- kussion darzulegen und zu erörtern. Nachfolgend werden lediglich relevante Begriffe und Kernaussagen dargestellt, die von einer Mehrzahl der Protagonis- ten der konstruktivistischen Theorien vertreten werden und zudem Grundlage der vorliegenden Definition des Konstruktivismus sind. Dennoch sei darauf verwiesen, dass auch diese zum Teil umstritten sind. Ziel des nächsten Kapitels ist es, Folgerungen aus dieser Erkenntnistheorie für den bGU zu diskutieren. Eine Grundthese des Konstruktivismus ist es, dass die Summe der kognitiv verarbeiteten...

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