Show Less

Ideologisierung des Kirchenbaus in der NS-Zeit

Am Beispiel der Kirchenneubauten (1934–1941) im Erzbistum München und Freising und Evang.-Luth. Dekanat München

Series:

Bärbel Schallow-Gröne

In seiner ersten Kulturrede forderte Hitler programmatisch die weltanschauliche Visualisierung des NS-Staates in der Architektur. Welche Bedeutung dieses Diktum für den Kirchenbau in der NS-Zeit hatte, ist bis heute ungeklärt. Diese kunsthistorisch-ideologiekritische Untersuchung behandelt die Ideologisierung der Sakralarchitektur in der NS-Zeit, ihre ideengeschichtlichen Grundlagen und bauliche Umsetzung. Gezeigt wird, dass die Sakralarchitektur auf der Grundlage von gefestigten rassisch-architekturteleologischen Vorstellungen gezielt NS-weltanschauliche Inhalte visualisieren und affirmieren sollte. Diese sind auch an den Sakralneubauten im Untersuchungsraum ablesbar. Kirchliche Abgrenzungen gegen die NS-ideologische Usurpation waren geprägt vom Ringen um die «Substanz der Form».

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

1 Einleitung Anlässlich eines Besuchs der Berliner NS-Ausstellung „Wunder des Le- bens“ notierte der Schweizer Max Frisch 1935 als Zeitzeuge: „Von jeher schwankte das deutsche Wesen, sowohl im Einzelmenschen wie im Volksganzen, zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbst- bewusstsein; (...) Das deutsche Volk ist ein noch junges Volk, fast jugendliches und daher gärendes, das sich selbst noch nie verwirklicht sah, wie etwa das innerlich ältere Frankreich, und daraus mag sich erklären, daß es jene ausgeglichene Abgeklärtheit und Sicherheit noch nicht haben kann, sowenig sie ein junger und werdender Mensch besitzt. Dieses übersteigerte Selbstgefühl ist ein äußerster Pendelschlag eines inneren Pendelns und wir wissen um die deutsche Selbstbezweiflung, (...), kurzum wir stehen der deutschen Seele gewiß nicht ahnungslos gegenüber, empörend aber ist dieser Selbstruhm, der seine eigene Rasse erhöht, indem er alles andere in den Schmutz stößt.“1 Die Ausstellung diente den NS-Machthabern dazu, das Primat der Rasse sowie rassenhygienische Vorstellungen zu propagieren und auf diese Wie- se die Rassedoktrin als ideologischen Kern der NS-Weltanschauung im all- gemeinen Bewusstsein zu manifestieren. Auch in der Abteilung „Kunst“ wurde anhand einer tendenziösen Auswahl von Bildern ein direkter Zu- sammenhang zwischen Kunst und Rasse konstruiert. Frisch vermerkte hierzu: „eine Auslese schmieriger Bilder, die als nichtarische Kunst schlechthin gelten sollen; daß Liebermann und andere fehlen ist einfachheitshalber nötig.“2 Visualisiert wurde das NS-Kunstideologem, das die rassebiologistische Be- dingtheit von Kunst dogmatisch behauptete und zugleich im Sinne der NS- Rassedoktrin, wie von Frisch kommentiert wurde, rassistische und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.