Show Less

Bildung und literarische Kompetenz nach PISA

Konzeptualisierungen literar-ästhetischen Verstehens am Beispiel von Test-, Prüf- und Lernaufgaben

Series:

Martina von Heynitz

Im Rahmen der Debatte um Kompetenzen seit den PISA-Testungen 2000 und den sich anschließenden Bildungsreformen will diese Arbeit den Entwicklungen im Bereich der schulischen Vermittlung und Überprüfung von Kenntnissen und Fähigkeiten am Beispiel literarischen Lernens nachgehen. Die Auseinandersetzung gilt zunächst der Frage nach einem tragfähigen Bildungsbegriff öffentlicher Schulen im Spannungsfeld von Bildungstheorie, empirischer Bildungsforschung und bildungspolitischer Steuerung. In einem weiteren Schritt werden Chancen und Grenzen der empirischen wie fachdidaktischen Modellierung literarischer Rezeptionskompetenz beleuchtet. Vor diesem Hintergrund gibt die Untersuchung von Prüfaufgaben für den Mittleren Schulabschluss im Fach Deutsch Auskunft über die bildungsadministrative Auslegung von Kompetenz im Umgang mit literarischen Texten. Im Anschluss werden Lernaufgaben aus Deutschlehrwerken für die 10. Klasse auf ihre Konzeptualisierungen literarischer Kompetenz hin analysiert. Dabei lässt sich eine deutliche Rückwirkung der Einführung von Bildungsstandards und einer neuen Test- und Prüfaufgabenkultur auf die Didaktisierung literarischen Lernens nachzeichnen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

III. Zum Spannungsverhältnis zwischen Bildungstheorie, Fachdidaktik und empirischer Bildungsforschung am Beispiel der literaturdidaktischen Diskussion

Extract

1. Literarische Bildung & Kompetenz – Zur bildenden Qualität literarischer Texte Innerhalb der fachdidaktischen Debatte ist nach PISA – analog zur bildungs- theoretischen Diskussion (vgl. Kap. II. 1) – der Eindruck einer unüberbrückba- ren Kluft zwischen dem durch PISA fokussierten Lesekompetenzverständnis und Vorstellungen vom literarischen Lesen entstanden. Denn durch die in der Kritik benannte „informationstechnische Verengung“122 des Lesebegriffs im PISA-Modell droht die Beschäftigung mit literarischen Texten, die bislang im traditionellen Deutschunterricht mit einigem Recht eine zentrale Stellung einge- nommen hat, an den Rand der Betrachtung verdrängt worden zu sein. Da die Modellierung literar-ästhetischer Rezeptionskompetenz unter empirischen Ge- sichtspunkten mit ungeklärten Fragen und Schwierigkeiten besetzt ist, auf wel- che die Fachdidaktik in der Kritik an rein psychometrisch ausgerichteten Model- lierungen aufmerksam gemacht hat, erscheint bzw. erschien anfänglich123 die Sorge um den Bestand dieses Lernbereichs berechtigt. Vor diesem Hintergrund soll im vorliegenden Kapitel zunächst der Versuch unternommen werden, im Anschluss an die in Kapitel II ausgeführten Überle- gungen zu einem Begriff moderner schulischer Allgemeinbildung die Besonder- heiten im Umgang mit literarischen Texten, die bildenden Qualitäten im Rah- men der Text-Leser-Begegnung und im Zuge dessen die Zielsetzungen literar- ästhetischer Bildung differenziert zu beschreiben. In einem zweiten Schritt sol- len die in der Debatte um PISA genannten Positionen der Vertreter beider Bil- dungskonzepte in ihren jeweiligen Bezügen zu den Traditionslinien literar- ästhetischer Bildung erläutert und kritisch reflektiert werden. In diesem Zusam- menhang wird eine Abgrenzung eines schulisch angemessenen Begriffs literar- ästhetischer Bildung zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.