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Der Antijudaismus auf dem Weg vom Judentum zum Christentum

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Peter Landesmann

Anhand der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria werden die in der Zeitenwende in Palästina vorhandenen Geisteshaltungen dargestellt und die in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten aufgetretenen deuteronomistischen, weisheitlichen, apokalyptischen und hellenistischen Tendenzen berücksichtigt. Das Wirken von Jesus wird im Einklang mit seinem Judentum beschrieben und seine Kreuzigung durch die damals herrschende und später revidierte Ansicht über einen Messias erklärt, der gewaltsam zu seiner Herrschaft gelangen sollte. Die Loslösung der Jesusanhänger vom Judentum und der darauf folgende innerchristliche Konflikt begründet die antijudaistische Haltung maßgebender Kirchenväter. Diese sahen in der Beibehaltung jüdischer Bräuche der Judenchristen eine Gefahr für die Einheit des Christentums, das schon im zweiten Jahrhundert von den Christen dominiert wurde, die aus dem Heidentum stammten. Diese Einstellung gegen die judaisierenden Christen führte dann zu den antijudaistischen Aussagen christlicher Theologen.

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11. Warum wurde Jesus gekreuzigt?

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Aus dem folgenden Satz ergibt sich, dass es den Juden unter römischer Herr- schaft nicht gestattet war ein Todesurteil zu fällen: „Die Juden antworteten ihm (Pilatus): Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzu- richten.“ (Joh 18,31b.). Die Kreuzigung wurde von den Römern nur bei Kapitalverbrechen vollzogen. Eines dieser Kapitalverbrechen war eine Auflehnung gegen den Kaiser, was im Fall Jesu durch seinen Anspruch auf den Titel eines Königs gegeben war. Wie Josephus Flavius (37 oder 38 – ca. 100 n.Chr.) erwähnt, haben die führenden Juden in den meisten Fällen, wenn ihre Glaubensgenossen vor einem römischen Gericht gestanden sind, zu deren Gunsten interveniert. Warum dies bei Jesus möglicherweise eher im gegenteiligen Sinne der Fall war, kann aus den Evange- lien entnommen werden: „Da beriefen die Hohepriester und die Pharisäer eine Versammlung des Ho- hen Rates ein. Sie sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen. Einer von ihnen, Kajaphas, der Hohepriester jenes Jahres, sagte zu ihnen: Ihr versteht über- haupt nichts. Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht.“ (Joh 11,47-50.). Mit Recht kann nunmehr die Frage gestellt werden, wieso Jesus für das „zu- grunde gehen“ des Volkes verantwortlich gemacht werden konnte. Aus...

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