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Alexander von Schleinitz und die preußische Außenpolitik 1858-1861

Bastian Peiffer

Otto von Bismarck drohte mit Selbstmord, als sein Sohn Herbert eine Verwandte Alexander von Schleinitz’ heiraten wollte. Grenzenlos war der Haß Bismarcks auf seinen Vorgänger als preußischer Außenminister. Wer war dieser Mann, den der Eiserne Kanzler als Haremsminister und Mignon der Prinzessin Augusta schmähte? Gestützt auf neue Quellenfunde zeichnet der Autor das Bild des preußischen Außenministers während der Neuen Ära jenseits der Stereotype des mutlosen und tatenscheuen Politikers. Er deutet Alexander von Schleinitz als einen Reformkonservativen, der Völkerrecht und Volkswillen versöhnen wollte und in bester preußischer Tradition das Recht über die Macht stellte.

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VII. Schleinitz' Scheitern und Rückzug

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Venedig blieb der Funke, an dem sich das Pulverfaß Italien zu entzünden drohte. Österreich drängte Preußen, endlich die in Teplitz vereinbarten Militärverhand- lungen zu beginnen.952 Es dauerte Wochen, bis Preußen mit den Generälen Moltke und Alvensleben die Verhandlungspartner der österreichischen Delegier- ten General Huyn und Major Binder bestimmte.953 Als die vier Militärs Anfang des Jahres in Berlin erstmals zusammentrafen, gingen die gemeinsamen Vorstel- lungen kaum über den alten Formelkompromiß "gemeinsamen Gefahren ge- meinsam zu begegnen" hinaus. Österreich erwartete von einer Militärallianz vor allem Klarheit, unter welchen Umständen Preußen in den Kampf um Venedig eingreifen würde. In Wien ging man davon aus, daß jede Aggression gegen Ve- nedig den Casus belli für Preußen und den Deutschen Bund auslösen müsse; vor allem dann, wenn Frankreich sich an einem solchen Krieg beteiligte.954 Griff Sardinien die österreichische Provinz ohne den Beistand Frankreichs an, erwar- tete man am Ballhausplatz zumindest die Aufstellung eines starken Observati- onscorps in Süddeutschland.955 Ludwig von Biegeleben, verantwortlich für die deutsche Politik Österreichs, skizzierte, wie der Kaiserstaat sich eine solche Re- gelung vorstellte: Österreich wünschte entweder eine bilaterale Vereinbarung zwischen Wien und Berlin oder eine Abwandlung der Bundesakte, die das ge- samte Deutschland in die Verteidigungslinie Österreichs in Italien einbezog. Im ersten Fall sollten beide Staaten sich ihren jeweiligen Länderbesitz ohne jede Ausnahme und Einschränkung garantieren – jede Aggression gegen Venedig unmittelbar die preußische Kriegeserklärung nach sich ziehen. Bei der...

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