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Visualisierungen des Umbruchs

Strategien und Semantiken von Bildern zum Ende der kommunistischen Herrschaft im östlichen Europa

Edited By Ana Karaminova and Martin Jung

Welche Schwierigkeiten und Möglichkeiten der visuellen Darstellung verbinden sich mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft im östlichen Europa? Welche Bilder aus der Umbruchzeit wurden wann und wie zu Ikonen? Wie werden Bilder aus der Umbruchzeit mit künstlerischen Bearbeitungen danach verknüpft? Ausgehend von diesen Leitfragen behandeln die Beiträge dieses Bandes verschiedene Länder und untersuchen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven verschiedenartige Medien(formate), die von Filmen, Musikclips und Presse-Bildern bis zu Kunstwerken und musealen Darstellungen reichen. Damit zeigen die Beiträge die vielfältigen Anknüpfungspunkte des Themas auf und machen den Facettenreichtum der Frage nach «Visualisierungen des Umbruchs» deutlich.

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Eine Ästhetisierung des Krieges? Der Musikclip Miss Sarajevo (1995) von U2 und Luciano Pavarotti. Marijana Erstić

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103 Eine Ästhetisierung des Krieges? Der Musikclip Miss Sarajevo (1995) von U2 und Luciano Pavarotti Marijana Erstić Der Umbruch 1989 manifestierte sich in einigen Ländern Ex-Jugoslawiens als ein Krieg, der die erste Hälfte der 1990er Jahre andauerte und der Susan Sontag zu der auch im Spielfilm Grbavica – Esmas Geheimnis1 zitierten Äußerung ver- leitete, das 20. Jahrhundert sei in Sarajevo geboren und es sei in dieser Stadt auch gestorben. Anstatt dass Mauern fielen, entstanden auf dem Gebiet Ex- Jugoslawiens neue, waren sich die Medien zu Beginn der 1990er Jahre einig.2 Während also in den übrigen ehemals kommunistischen Staaten die Bilder des Umbruchs größtenteils positiv konnotiert werden, sind die Bilder aus dem Gebiet Ex-Jugoslawiens vor allem Bilder des Schreckens – dafür stehen beispielsweise das Bild eines Fiat, der im Sommer 1991 die Panzer der jugoslawischen Armee stoppen sollte, die Bilder von der Zerstörung der kroatischen Stadt Vukovar im Herbst 1991, die zerstörte Brücke von Mostar in Bosnien-Herzegowina, die Be- netton-Werbung mit der blutigen Uniform eines bosnischen Soldaten aus dem Jahr 1993 oder die Bilder der Menschen im belagerten Sarajevo, die in den Mu- sikclip Miss Sarajevo der irischen Rock-Band U2 und des Startenors Luciano Pavarotti (1995) eingeflossen sind. Zur Gliederung Die Auseinandersetzung mit dem Musikclip Miss Sarajevo steht im Zentrum des Aufsatzes. Die leitende Frage lautet, ob es mit diesem Clip zu einer „Ästhetisie- rung des Schreckens“ im Sinne Karl-Heinz Bohrers kommt. Doch lässt sich die- ser Begriff auf die Popkultur übertragen? Kann...

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