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Die Naturbeschreibung im «Journal» von Henry David Thoreau

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Wilfried Koch

Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Tagebuch als Textformat und Schreibort in Verbindung mit der Beschreibung die Erforschung, Darstellung und Erfahrung von Natur und Landschaft prägt. Unter Einbeziehung von Konzepten der kognitiven Narratologie sowie räumlich-visueller und transmedialer Aspekte werden in textnahen Analysen strukturelle Probleme des beschreibenden Textes (Metapher, Metonymie) und Verfahren des Rekonstruierens und Simulierens von Naturerfahrung als Umsetzung von Wahrnehmung in Text erörtert. Das Journal von Henry David Thoreau erweist sich als Versuch, auf der Basis der Naturästhetik des Picturesque durch schreibend-reflektierendes Erinnern eine zur Entdeckung befähigte Form von Subjektivität als verdichtetes Gewahrsein von Welt- und Selbsterfahrung in wechselnden Außen- und Innenansichten zu projizieren.

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Kapitel 3: Wahrnehmung und Beschreibung

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3.1 Beschreiben als Reproduzieren von Sichtbarkeit Bei der Darstellung von Naturphänomenen spielt die Erlebniserzählung von Wahrnehmung eine wichtige Rolle mit dem Tagebuch als Ort der Rekonstruktion von Naturerfahrung. Die Beschreibung fungiert als kategorialer Raster für das Strukturieren von Wahrnehmung und Substrat beim Aufzeichnen der Sinnesein- drücke, die das figurierte Ich aufnimmt und durch Schreiben reflektierend verar- beitet. Damit ist der Text Ort des schrittweisen Nachvollziehens von Erfahrung und der Auseinandersetzung mit Faktoren, die den Zugang zur Natur behindern. Ein zentrales Moment bildet im Diskurs der Wahrnehmung die Sichtbarkeit als Kriterium und Grenze in Wissen und Bewußtsein, Text und Erfahrung, wie und warum Phänomene wahrgenommen werden. In Verbindung mit der Erzählung erlaubt die Beschreibung ein Auswerten von Erlebnissen und Reaktionen des Subjekts auf Umweltstimuli sowie Übersicht auf den gesamten Erfahrung generie- renden Komplex von Körper, Sinnesorganen und Gedächtnis, der Aufmerksam- keitsfoci in die Welt richtet für bewußte wie unbewußte Eindrücke. Daraus er- wächst eine Haltung schreibenden Horchens nach Innen wie nach Außen, achtsamen Reflektierens der eigenen Reaktion sowie der gezielten Ausrichtung von Aufmerksamkeit, die als Essenz des Lebendigseins erscheint. Die Beschreibung hält das materielle Substrat der Erfahrung im Fokus des textuellen Sehfeldes als Karte oder bildhaftes Wahrnehmungsfeld fest, das sie wie eine Momentaufnahme an den Erfahrungsgegenstand geheftet verdichtet und vor- stellungshaft-räumlich umsetzt. Damit kommt sie einem Bedürfnis nach materiell- taktiler (realer wie imaginärer) Erfahrung entgegen. Das Verborgene, indem es in den Vordergrund...

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