Show Less

Die Naturbeschreibung im «Journal» von Henry David Thoreau

Series:

Wilfried Koch

Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Tagebuch als Textformat und Schreibort in Verbindung mit der Beschreibung die Erforschung, Darstellung und Erfahrung von Natur und Landschaft prägt. Unter Einbeziehung von Konzepten der kognitiven Narratologie sowie räumlich-visueller und transmedialer Aspekte werden in textnahen Analysen strukturelle Probleme des beschreibenden Textes (Metapher, Metonymie) und Verfahren des Rekonstruierens und Simulierens von Naturerfahrung als Umsetzung von Wahrnehmung in Text erörtert. Das Journal von Henry David Thoreau erweist sich als Versuch, auf der Basis der Naturästhetik des Picturesque durch schreibend-reflektierendes Erinnern eine zur Entdeckung befähigte Form von Subjektivität als verdichtetes Gewahrsein von Welt- und Selbsterfahrung in wechselnden Außen- und Innenansichten zu projizieren.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Kapitel 7: Landschaft und Raumdarstellung

Extract

7.1 Topoi romantischer Landschaftskonzeption im Journal Landschaft ist purer Text, ein durch Sprache bezeichneter, strukturierter Aus- schnitt von Wirklichkeit, dem bestimmte Bedeutungen ein- bzw. zugeschrieben werden. Der beschreibende Text macht Landschaft erst zum kohärenten, lesbaren, d.h. symbolisch kodifizierte Botschaften tragenden Gebilde, als das sie dem Be- trachter erscheint, nach der Übertragung von Bild- bzw. Textschablonen.332 Tho- reaus Schreiben über Landschaft und Natur bewegt sich bezüglich bildhaft-visuel- ler Ästhetik und literarischer Gestaltung auf dem dicht überschriebenen Feld der europäischen Romantik.333 Der visuell-textuelle Entwurf von Subjektivität und die literarisch-räumliche Topik sind thematisch vorgeprägt durch korrelierende Kon- zepte von innerer-äußerer Landschaft und eine Subjekt-Natur-Konstellation im Text, die auch die Thematisierung von Orten wie Dorf, Hof oder Kleinstadt be- stimmt. Dazu kommt das Einschreiben abgelegener Landschaften wie Wäldern, Seen und Bergen mit pittoresken Zügen und psychologischer Bedeutung sowie die Natur- und Selbsterfahrung bei Wanderungen im Abend- oder Mondlicht.334 Wie der Entwicklungsweg der Persona in Walden ist der Themenkatalog des Journal von der europäischen Romantik bis in ästhetische Details vorgezeichnet.335 Ty- pisch für den kulturellen Kontext ist die Verbindung von Malerei, Architektur und Texten mit der Erfahrung und thematischen Gestaltung von Szenen und Räumen von der Ebene des theoretischen Entwurfs bis zur Umsetzung in Text und Bild. Mit dem Picturesque als Paradigma ästhetischen Sehens entwirft John Conron das Bild einer Epoche mit New York als Zentrum künstlerischer Produktion und 332 Die visuelle Eroberung “neuer”, von westlichen Augen zuvor noch nie gesehener...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.