Show Less

Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Biblischer Zorn – Eine Problemanzeige

Extract

Wer sich der jüdisch-christlichen Tradition zugehörend und verpflichtet fühlt, sollte sich mit dem Zorne Gottes, wie er in den Schriften des Alten und Neuen Testaments beschrieben wird, auseinandersetzen. Denn auch wenn wir in unse- rem Alltag Gottes Zorn nicht zu spüren bekommen, so kann doch in einer evan- gelischen Andacht oder einem Gottesdienst daran erinnert werden, dass „ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt“ (Lied 413 im Evangelischen Gesangbuch, ab- gekürzt: EG). Für Christinnen und Christen mit einem anderen Gesangbuch kommt das „dies irae“, „der Tag des Zorns“, in der Requiemsliturgie vor. Dieses Liturgieelement ist ebenfalls in den Requien von Mozart oder Verdi zu hören. Auch Goethe lässt im 1.Teil seines Faust in der Szene im Dom einen Chor das „dies irae“ singen, um Gretchen an Ende und Gericht und an ihre Schuld zu er- innern. Man kann also auf unterschiedliche Weise an Gottes Zorn erinnert wer- den. Spätestens am Ende der Tage unserer Welt wird dieser Zorn spürbar, wenn Gott dem Glauben gemäß Gericht halten wird über „Böse und Fromme“, in die die Menschheit laut Vers 5 des genannten Liedes eingeteilt wird. Jeder und jede sollte sich auch mit seinem Verhältnis zum menschlichen Zorn auseinanderset- zen. Man kann sich erinnern, dass man als Kind zornig wurde, wenn dies oder jenes nicht nach den eigenen Wünschen geschah. Man kann sich ebenfalls daran erinnern, wie die Personen, von denen man abhängig war, den kindlichen Zorn beurteilt haben. Gott...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.