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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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7. Emotionalität und Kommunikation

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7.1 Emotionalität in der zeitgenössischen Psychologie Zunächst erlaubt es die zeitgenössische Psychologie, über menschliche Gefühle wie eben Zorn ohne moralische oder religiöse Einwände nachzudenken. Im Ge- genteil: Psychologie im Gefolge von Sigmund Freud hat den Zusammenhang zwischen Unterdrücken, Verdrängen und Verleugnen von Gefühlen und Krank- heitssymptomen evident gemacht. So kann Th. Hülshoff, ein zeitgenössischer Psychologe, formulieren, dass „das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle sinnvoll und notwendig, somit erlaubt ist.“187 Sie – die Gefühle – besitzen ihren Sinn für einen selbst. Sie lassen den Alltag und den Feiertag angemessen erle- 187 Th. Hülshoff, Emotionen, S.14. Dazu auch Chr. Demmering / H. Landweer: „Es ist da- von auszugehen, dass das gesamte Spektrum der Gefühle für den Menschen zunächst eine positive Funktion hat, und mehr noch: dass jedes einzelne Gefühl zur Grundstruk- tur der menschlichen Ausstattung gehört und deshalb diese menschliche Welt auf be- sondere Weise erschließt, eine spezielle Weise des Zugangs zu dieser Welt eröffnet.“ Damit wird der Abschnitt ‚Welterschließung durch Hass‘ in dies.: Philosophie der Ge- fühle, S.295 eingeleitet. 98 Emotionalität und Kommunikation ben.188 Sie bieten ebenso die Möglichkeit, sich in die Gefühlslage anderer einzu- fühlen. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um eine Partner- schaft optimal gestalten zu können. Für innerfamiliäre Beziehungen trifft das erst recht zu. Hier kommen mit dem wachsenden Kind noch dessen sich entwi- ckelnden...

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