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Die Domkapitel in Österreich nach dem CIC/1983

Statutenreform und aktuelle Rechtsgestalt

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Franz Hasenhütl

Die Domkapitel zählen zu den traditionsreichsten Einrichtungen der katholischen Kirche. Infolge der nachkonziliaren Kodexreform kam es für die Kathedralkapitel jedoch zum Verlust von Titel und Stellung des senatus episcopi an den neu eingerichteten Priesterrat und zu weiteren Veränderungen im Kanonikerrecht. Die Domkapitel waren nun dazu aufgerufen, ihre Statuten als zentrales Regelungsinstrument der inneren Organisation zu überarbeiten und den neuen universalrechtlichen Vorgaben anzupassen. Die erneuerten Statuten der sieben bestehenden Domkapitel in Österreich und des Domkapitels von Brixen stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Um unmittelbare Vergleiche zu ermöglichen, werden die entsprechenden Regelungen zusammenschauend dargestellt. Neben der kirchenrechtlichen Bewertung geht es darum, Desiderate für künftige Entwicklungen zu formulieren.

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C Das II. Vatikanische Konzil und die Domkapitel

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I. Die Domkapitel in der Vorbereitungsphase des Konzils Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Sitzungen des II. Vatikanischen Konzils (1962–1965) wurde auch die Institution der Kathedralkapitel zum Thema ge- macht, wobei aus den vorhandenen Dokumenten hervorgeht, dass in den Stel- lungnahmen mehrheitlich Kritik und auch Ablehnung zur damaligen Form der Domkapitel geäußert wurden. Die Sinnhaftigkeit der Domkapitel war jedoch auch schon viel früher in Frage gestellt worden. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. hatte man in Amerika die neuen Gremien der Diözesankonsultoren eingerichtet. Diese übernahmen sehr viele Aufgaben der Domkapitel und stellten daher deren Daseinsberechtigung in Frage.1 Soweit Kritik an den Domkapiteln geäußert wurde und schriftlich dokumentiert ist, kam sie sehr oft von Bischöfen, die sich von ihrem Domkapitel zu wenig unterstützt bzw. in manchen Fällen in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt fühlten. Die Kritik war zuweilen durchaus berechtigt und die Aufforderungen zur Reform und Restrukturierung der Kapitel nachvollziehbar. Erwähnt sei beispielsweise die Aussage eines Titularerzbi- schofs, der meinte, der Bischof werde oft der Gefangene derer, die ihn eigentlich als erste Helfer in seiner Aufgabe unterstützen müssten.2 Andere Bischöfe be- klagten die mangelnde Fähigkeit mancher Kathedralkapitel bei der Erfüllung ihrer Dienste. Oftmals würden ungeeignete Kandidaten auf die Kapitelstellen gelangen und die Domkapitel lediglich als Aufputz bei Pontifikalhandlungen fungieren.3 Manche Stellungnahmen erwecken den Eindruck, dass Bischöfe, die die Domkapitel für nicht mehr zeitgemäße Institutionen hielten, beim Konzil zumindest eine...

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