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Institutionelle Mechanismen der Kanonbildung in der Académie française

Die "Querelle des Anciens et des Modernes</I> im Frankreich des 17. Jahrhunderts

Christoph Mayer

Warum streiten sich auf dem Höhepunkt der absolutistischen Machtentfaltung im 17. Jahrhundert zwei Parteien in der Académie française? Die Querelle des Anciens et des Modernes beweist die einzigartige Macht der Literatur im kulturellen Feld der Klassik, gerade weil der Streit nicht von einem Herrscher, sondern von den Kulturschaffenden selbst ausagiert und in alle Bereiche der Kultur exportiert wird. Die Entwicklung im System der französischen Akademien zeigt ein ähnliches Bild: Der Lobpreis des Monarchen erfolgt zur Wertsteigerung der Kultur. Die Literaten erneuern ihren Kanon und schaffen die Voraussetzung zur Selbstverewigung und zur Selbstfeier als geeignetstes Repräsentationsmedium. Louis XIV, als Sonnenkönig der Inbegriff des Absolutismus, wird somit in der Akademie erst erzeugt.

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1. Theoretische Grundlagen

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Im Weiteren werden die der Arbeit zugrunde liegenden Theorieansätze expliziert. Da- bei handelt es sich um eine Thematisierung der bisherigen romanistischen wie inter- disziplinären Deutungen der Querelle des Anciens et des Modernes, um eine Ausei- nandersetzung mit der Kanonforschung und eine Kurzpräsentation der Theorie und Analyse institutioneller Mechanismen, wobei alle Interpretationsansätze bereits auf das französische 17. Jahrhundert bezogen werden. Dieses Kapitel ist dahingehend un- erlässlich, als sich im Bereich der (französischen) Literaturwissenschaft der genannte ‚institutionentheoretische‘ Ansatz bisher nicht etabliert hat und daher dessen Anwen- dung auf Fragen der Literarizität der französischen Klassik auch im Rahmen kultur- wissenschaftlicher Studien einer gewissen Legitimierung bedarf. 1.1 Interpretationsansätze und Leerstellen Die Erforschung der französischen Querelle des Anciens et des Modernes des 17. Jahrhunderts (in Zukunft: Querelle) hat bisher vor allem zwei Linien verfolgt: die Be- tonung eines epochenunspezifischen Musters im Sinne einer überzeitlichen Leitdiffe- renz alt vs. neu, die seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts insbesondere in Deutsch- land dank Hans Baron und August Buck typologische Unterschiede zwischen antiqui und moderni herausgearbeitet hat. Daran anknüpfend hat insbesondere Hans Robert Jauß das Augenmerk auf die Frage nach dem spezifischen Ergebnis der Querelle des 17. Jahrhunderts gelenkt, in der der Beginn der Moderne (Jauß), der Auftakt der Auf- klärung (Krauss) oder aber der Versuch einer kulturpolitischen Umordnung (Kortum, Stackelberg) gesehen wird.1 Hans Robert Jauß oder der Beginn der Ästhetik der Moderne Andererseits wurde die Forschung in den letzten 20 Jah- ren neu...

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