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Wirkungen des funktionellen Nachvollzugs physiologischer Gesangsstimmen auf die Qualität der Sprechstimme

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Ulrike Nespital

Der Schwerpunkt dieser empirischen Studie liegt auf einer Untersuchung zum funktionellen Nachvollzug der physiologischen Gesangsstimme. Der funktionelle Nachvollzug meint das intuitive Nachvollziehen von Bewegungen im Sinne von Empathie und Nachahmung und geht auf W.B. Carpenter zurück (Carpenter-Effekt). Ziel war es, zu untersuchen, ob und inwieweit das Hören einer klassischen Gesangsstimme Einfluss auf die Sprechstimmgebung einer Person haben kann. Des Weiteren wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen dem funktionellen Nachvollzug dieser Gesangsstimme und den musikalischen Fähigkeiten der hörenden Person untersucht. Auf Basis der Forschungsergebnisse und -erkenntnisse wurde das Stimmtherapiekonzept STMI (Stimmtherapie mit musikalischem Input) erstellt, das den funktionellen Nachvollzug physiologischer Gesangsstimmen als Schwerpunkt hat und diesen mit Entspannungs- und Stimmtherapieübungen kombiniert.

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A. Theoretischer Teil

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19 2. Wahrnehmung Wahrnehmung ist Grundlage der menschlichen Erkenntnis. Der Mensch ist von Geburt an den Reizen seiner Umgebung und Mitmenschen ausgesetzt. Aus der Vielzahl von Reizen, die auf ihn einwirkt, wählt er einige für ihn wichtige Reize aus, kategorisiert und bewertet (evaluiert) diese (vgl. Asanger / Wenninger 1988, 833). Die hier beschriebene Untersuchung bezieht sich auf die auditive Wahrneh- mung. Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung der menschlichen Gesangsstim- me, speziell der physiologischen Gesangsstimme eines Tenors. Der hier unter- suchte funktionelle Nachvollzug basiert grundlegend auf den Sinneswahrneh- mungen des Hörens und Fühlens, dem unmittelbaren Nachempfinden des Ge- hörten mit dem gesamten Körper. Dabei liegt der Fokus besonders auf den Arti- kulationsorganen des Menschen. Um diese Art des Nachempfindens greifbar machen zu können, werden im Folgenden wichtige Aspekte der menschlichen Wahrnehmung erläutert (vgl. Nespital 2008, 7-11). 2.1 Definitionen und Funktionen der Wahrnehmung Der Begriff Wahrnehmung umfasst zwei verschiedene Aspekte. Zum einen be- schreibt er den Prozess des Wahrnehmens, zum anderen das Ergebnis dieses Prozesses. „Ausgangspunkt der W. [Wahrnehmung] sind sensorische Phänome- ne, die durch Reizung der Sinnesorgane zustande kommen“ (Asanger / Wennin- ger 1988, 833). Somit nimmt der Mensch mit seinen Sinnen (Hör-, Riech-, Seh-, Tast- und Geschmackssinn) Dinge, Personen und Ereignisse wahr. Diese wahr- genommenen Eindrücke werden vom Menschen unmittelbar als wirklich erlebt. Somit ist Wahrnehmung im Unterschied zu kognitiven Prozessen unmittelbar und gegenwärtig (vgl. ebd.). Während der Mensch wahrnimmt, lenkt er seine Aufmerksamkeit „nur auf diejenigen...

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