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Internet und Altwerden

«Silver Surfer» und «Best Ager» – Surfen im Seniorenalter

Marie-Louise Rendant

Die «Silver Surfer» oder «Best Ager», wie Senioren im Internet gerne bezeichnet werden, verzeichnen in den letzten Jahren die höchsten Zuwächse und implementieren zunehmend das Internet in ihren Alltag. Umso unverständlicher ist es, dass über das Nutzungsverhalten dieser Zielgruppe wenig bekannt ist. Diese Studie will die bestehende Lücke schließen. Zielstellung ist die empirische Überprüfung, ob das Internet eine kompensierende Funktion auf eine große und größer werdende Klientel hat bzw. eine aktivierende Wirkung auf das alternde Individuum. Diese Vorstellung folgt der Annahme, dass Menschen mit zunehmendem Alter etwas fehlt bzw. etwas verlieren. In der Bilanzierung ihrer Lebenslagen ergeben sich jedoch nicht nur ein Bild von Defiziten, sondern auch viele Ressourcen. Die Auswertungen zeigen, dass ältere Onliner das Internet reflexionsorientiert und bedarfsgerecht zur Kompensation ihrer Defizite und Verluste nutzen. Im Abgleich mit gerontosoziologischen Theorien erweisen sie sich als verantwortungsvolle Medienrezipienten, die das Internet zum «erfolgreichen Altern» einsetzen.

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2. Deskriptive Bestandsaufnahme

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2.1 Dynamische Entwicklungen Zwei Trends kennzeichnen heute auf vielen Ebenen in dynamischer Weise die heutige Gesellschaft – eine zunehmende Alterung und ein sich immer beschleu- nigender Übergang in die Informationsgesellschaft: Sowohl die „ergraute Ge- sellschaft“ als auch das „digitale Zeitalter“ scheinen mittlerweile ein Stück weit Realität geworden zu sein. Beide gesellschaftlichen Tendenzen haben sich Seite an Seite nebeneinander entwickelt und finden seit den 1990er Jahren besonderes Interesse. Trotzdem, ihre „Schnittmenge“ ist gering. So gering, dass Soziologen bereits ein Zukunftsszenario entworfen haben: Ihre Befürchtung bezieht sich auf den Umgang mit der Ressource „Information“, die in einer funktionierenden In- formationsgesellschaft allen Teilnehmern,1 von den jüngsten bis zu den ältesten Menschen, in adäquater Weise zugänglich sein muss, damit sich keine Gruppen voneinander entfremden. Jenes Zukunftsszenario sieht die zukünftig Jüngeren (wenngleich aufgrund der demografischen Entwicklung anteilig immer mehr schrumpfend) mit ihrer hohen Medienkompetenz umfassend Informationen ab- schöpfen (und zwar online), welche glaubhaft primär zum Wohle ihrer eigenen Generation sowie ihrer (immer weniger vorhandenen) Kinder eingesetzt werden. Dies hat Auswirkungen auf die ältere Generation: Für die insgesamt technik- distanteren Senioren, mit wachsendem Anteil an der Gesellschaft und immer länger in hoher Gesundheit und Kompetenz lebend, bedeutet dies, dass die ver- fügbaren Informationen (aus dem Internet und dem, was sich in Zukunft noch daraus entwickeln wird) quantitativ und qualitativ weniger effizient genutzt werden und damit längerfristig eine bedeutsame Benachteiligung eingestanden werden muss – Vorteile für eine schrumpfende, Nachteile für eine wachsende...

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