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Aktuelle Forschungsthemen der Sprechwissenschaft 2

Phonetik, Rhetorik und Sprechkunst

Series:

Ursula Hirschfeld and Baldur Neuber

In der Publikation werden aktuelle wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Phonetik, der Rhetorik und der Sprechkunst vorgestellt. Häufig handelt es sich zudem um transdisziplinäre Fragestellungen. Sie geben einen eindrucksvollen Einblick in die unterschiedlichen Facetten unserer Forschungswelt und reichen von Detailuntersuchungen im Bereich der artikulatorischen Phonetik bis hin zur Sprachentwicklungsforschung, und von der historischen Betrachtung des Rhetorikverständnisses bis zu den Perspektiven der sprechkünstlerischen Kommunikation. Ein erklärtes Ziel dieser Publikation ist es, interessante neue Untersuchungen junger Absolventen einer breiten Öffentlichkeit vorzulegen.

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Ronald Herzog Sprechspielen — Sprechkünstlerische Kommunikation zwischen Vortragskunst und Schauspielkunst 91

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Sprechspielen — Sprechkünstlerisches Gestalten zwischen Vor- tragskunst und Schauspielkunst Ronald Herzog, Chemnitz 1 Hinführung Die Historie der sprechwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem künstle- risch gesprochenen Wort ist im 20. Jahrhundert geprägt vom Bemühen um eine Abgrenzung der Sprechkunst zur Schauspielkunst. Vorbild und Ausgangspunkt dieser Diskussion ist die von Goethe Ende des 18. Jahrhunderts getroffene Un- terscheidung zwischen Rezitation und Deklamation: „Unter Recitation wird ein solcher Vortrag verstanden, wie er ohne leidenschaft- liche Tonerhebung, doch auch nicht ganz ohne Tonveränderung zwischen der kalten ruhigen und der höchsten aufgeregten Sprache in der Mitte. Der Zuhörer fühle immer, daß hier von einem dritten Objecte die Rede sei [...]. Ganz anders ist es aber bei der Declamation oder gesteigerten Recitation. Hier muß ich mei- nen angebornen Charakter verlassen, mein Naturell verläugnen und mich ganz in die Lage desjenigen versetzen, dessen Rolle ich declamiere. Die Worte, wel- che ich ausspreche, müssen mit Energie und dem lebendigstem Ausdruck her- vorgebracht werden, so daß ich jede leidenschaftliche Regung mit zu empfinden scheine" (Goethe 2005, 178 f.). Goethe folgend liegen die Hauptunterschiede zwischen den beschriebenen For- men in der Intensität des Sprechausdrucks und in der Perspektive, aus welcher der Vortragende agiert. Während der Rezitierende den Text mehr oder weniger aus seiner eigenen Perspektive gestaltet und die Dichtung als drittes Objekt er- halten bleibt, übernimmt der Deklamierende die Perspektive einer Figur und handelt entsprechend. In der sprechwissenschaftlichen Literatur wurde Goethes Einteilung ausgiebig referiert (u. a. Krech 1987, Ritter 1996b)...

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