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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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5 Überlegungen zur künstlerischen Konzeption der Basilika

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5.1 Die Architektur Der Grundriss und der daraus entwickelte Baukörper orientieren sich konventionell – mit Ge- wissheit auch liturgisch bedingt – an der klassischen dreischiffigen Basilika, wie sie in zahlreichen romanischen Kirchen des Mittelalters in Apulien überliefert ist. Ungewöhnlich allerdings ist der Chorraum, der sich im Bereich der Kalotte lampionartig zusammenfaltet und durch seine Rip- penstruktur gotische Formen zeigt. Jedoch wird das tragende Gerüst, ganz im Gegensatz zur goti- schen Architektur mit ihren weitgehend aufgelösten Flächen, hier mit Mauerwerk geschlossen. 253 Luigi Pappacoda (1595-1670) wurde 1639 Bischof der Diözese Lecce, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Er setzte in Lecce im 17. Jhd. ein großes städtebauliches Programm um. Er war Auftraggeber zahlreicher Bauwerke, u.a. des neuen Doms, in dem er nach seinem Tode beigesetzt wurde, des Glockenturms und des Bischofspalasts auf der Piazza Duomo. Er hielt zwei Diözesansynoden in Lecce ab und ernannte 1658 den Heiligen St.Oronzo zum Schutzheiligen der Stadt (MANIERI, in: FONSECA (Hrsg.) 1979, 10, 117-128). 254 FONSECA, in: FONSECA 1979, 10. 255 PAONE 1981, 222. 57 Folglich scheint gerade nicht die Aufhebung von Raumgrenzen Ziel der Architektur zu sein, son- dern vielmehr die Begrenzung des Raumes. Und dennoch beginnt mit Santa Croce das Barockzeitalter im Salento.256 Dies aber entfaltet sich mit ganzer Kraft erst an der Fassade, nicht durch Bewegtheit der Wandmassen, sondern durch die Verdichtung ihrer dekorativen Elemente. Die architektonische Querschnittstruktur des Innen- raums zeichnet sich dabei bereits an der Fassade ab, die als Schauwand ausgebildet ist. Aber...

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