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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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10 Die Fassade von Santa Croce als Manifest der Cölestiner

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Santa Croce wurde erbaut zu Ehren des Heiligen Kreuzes, dem auch die frühere Kirche geweiht gewesen war. Zugleich aber diente der neue Bau der Verherrlichung des Ordens der Cölestiner. Unter diesem wichtigen Aspekt wurde das gestalterische Erscheinungsbild insbesondere der Fas- sade bisher kaum thematisiert. Diesem soll im Folgenden nachgegangen werden. Wie bereits dargelegt, gehörte dem Mönchsorden der Cölestiner in Lecce schon seit 1353 eine Kirche Santa Croce, die jedoch auf Weisung Kaiser Karls V., um befürchtete Türkeneinfälle ab- wehren zu können, neuen Befestigungsanlagen weichen musste.393 Die Cölestiner wurden ent- schädigt und erhielten nahe der Stadtmauer einen neuen Bauplatz.394 Im Jahre 1549 begann der Neubau der Basilika und 1659 auch der des dann 1695 fertig gestellten angrenzenden Klosterge- bäudes in dem nunmehr zeitgenössischen Stil. 1582 wurde die noch nicht vollendete Kirche ge- weiht.395 Das Wappen des Ordens ist über einem Seitenportal der Fassade und in der vergoldeten Kassettendecke des Hauptschiffes abgebildet. Der Ordensgründer, der Heilige Cölestin, erscheint in personam in der linken Nische der oberen Fassadenhälfte. Mit ihrem neuen Gebäude wetteiferten die Cölestiner mit zahlreichen weiteren in der Stadt an- sässigen Orden, die gleichfalls neue Klostergebäude und Kirchen hatten erbauen müssen. Dieser Konkurrenzgedanke ist zu berücksichtigen, um Santa Croce gerecht beurteilen zu können. Ein Werben für die Ziele der Bruderschaft bestand in persönlicher Ansprache und in geistlichem Bei- stand, bestand aber auch in der Selbstdarstellung der...

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