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Sozio-ökonomische Aspekte der Regulierung der Rechnungslegung

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Tim-Frederik Oehr

In den meisten OECD-Ländern ist ein substantieller Wandel der Rechnungslegung feststellbar: Privatisierung und Internationalisierung der Regulierung. Letztendlich hat der Prozess zu einer global wachsenden Bedeutung des IASB und der IFRS geführt. Erklärungsansätze, die bisher eher auf funktionalistischen, ökonomischen Denkmustern beruhen, greifen jedoch zu kurz, insbesondere bei einer Begründung der veränderten Interventionsstaatlichkeit. Wohlfahrtsstaatlichkeit als Ausdruck eines gesellschaftlichen Interesses an Regulierung sowie soziale Netzwerke werden in dieser Arbeit herangezogen, um offene Fragen der Persistenz und Konvergenz unterschiedlicher nationaler Rechnungslegungsregulierungen zu thematisieren. Damit wird ein ergänzender Beitrag zur Erklärung der Dualisierung der Rechnungslegung in kontinentaleuropäischen Ländern sowie der zeitlichen Verzögerung der IFRS-Diffusion geleistet.

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Geleitwort

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Die neuere Rechnungslegungsforschung ist traditionell auf mikroökonomischen Denkfiguren begründet. Denkmuster der Prinzipal-Agenten-Theorie oder der Informationsökonomik gehören inzwischen genau so zum Kern der Rechnungs- legung wie die Bewertungslehre, die Zahlungsströme mit ihren Risiken in Gleichgewichtsmodellen berücksichtigt. So unabdingbar dieser Bezug bei der Neuentwicklung des Fachs war, birgt er aber auch die Gefahr, dass sich die Rechnungslegung von den Unternehmen ablöst, über die sie berichten soll. Ur- sache dieser Ablösung ist die Abstraktion von institutionellen Besonderheiten, die Unternehmen und ihre Umwelt prägen. Die vergleichende Rechnungslegungsforschung hat in den letzten zwei Jahr- zehnten gezeigt, wie stark unternehmerisches Handeln in ein jeweils verschiede- nes gesamtwirtschaftliches Gepräge eingebettet ist. In der Sprache des varieties of capitalism-Ansatzes lassen sich Länder mit koordinierten und solche mit marktbasierten Wirtschaftsordnungen unterscheiden. Erstere verlassen sich stär- ker auf hierarchisch strukturierte, wiederholte Handlungen; bei letzteren stehen abstrakte Marktbeziehungen im Vordergrund, bei denen die Akteure so behan- delt werden oder werden sollen, als seien sie einander unbekannt. Für eine lange Zeit galten marktbasierte Volkswirtschaften wie die der USA und des Vereinig- ten Königreichs als Vorbilder, die etwa über das arm’s length-Prinzip auch zu- nehmend das normative Denken bestimmt haben. Doch nicht nur diese Organisationsprinzipien hat die vergleichende Institu- tionenforschung herausgearbeitet; Unterschiede bestehen auch auf der Mikro- Ebene. Weder kann von einer internationalen Vereinheitlichung der Unterneh- mensfinanzierung und damit einer homogenen Eigentümer- und Gläubigerstruk- tur gesprochen werden, noch von einer einheitlichen Lösungsform für Konflikte, die...

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