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Galizien im Diskurs

Inklusion, Exklusion, Repräsentation

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Edited By Paula Giersch, Florian Krobb and Franziska Schößler

Die politischen Grenzen des habsburgischen Kronlands Galizien wurden 1772 wie auf dem Reißbrett festgelegt, so dass ein überaus heterogenes Gebilde entstand. Galizien war seitdem Projektionsfläche für unterschiedlichste politische und kulturelle Vorstellungen, für identitäre Fragen der Zugehörigkeit und der Abgrenzung sowie für vielfältige Versuche, die Fremdheit und das Bedrohungspotenzial der ‘östlichen’ Region zu fixieren. Der Band rekonstruiert die einschlägigen Diskurse über Galizien, wie sie zunächst in Statistiken und Reiseberichten des 18. Jahrhunderts fassbar werden. Noch die Texte jüdischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, die die traumatische Vernichtung der ostjüdischen Shtetl-Welt bearbeiten, nehmen kritisch auf diese Bezug. Zugleich soll gezeigt werden, dass Ansätze wie die Diskursanalyse und die postkolonialen Studien den Untersuchungsgegenstand neu konturieren.

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Laboratorium Galizien: Inklusion, Exklusion und Repräsentation - Paula Giersch · Florian Krobb · Franziska Schös

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Laboratorium Galizien: Inklusion, Exklusion und Repräsentation Paula Giersch · Florian Krobb · Franziska Schössler Das geographisch-politische Gebilde Galizien bestand für knapp andert- halb Jahrhunderte, nämlich von der ersten sogenannten Teilung Polens 1772 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. In dem am 2. September 1919 unterzeichneten Vertrag von Saint-Germain wurde das Gebiet des ehe- maligen habsburgischen Kronlandes an Polen und Rumänien abgetreten. In dieser Periode durchlief das Königreich Galizien und Lodomerien (un- ter diesem Kunstnamen wurde die Region in die Donaumonarchie einge- gliedert) einige territoriale und politische Veränderungen: Im Zuge der Dritten Teilung Polens 1795 kam Westgalizien hinzu; 1846 wurde Krakau (seit dem Wiener Kongreß 1815 eine eigenständige Republik unter preu- ßischem, österreichischem und russischem Kondominat) an Galizien an- geschlossen; 1849 wurde die Bukowina eine unabhängige Provinz; ab 1867 glich die Regierungsform einer weitgehenden Selbstherrschaft der polni- schen Adelselite. Das Kunstprodukt Galizien war während seiner gesam- ten Geschichte von sozialer, ethnischer, religiöser, linguistischer und kul- tureller Heterogenität geprägt. Gleichzeitig blieb zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen umstritten, was Galizien (für sie und andere) be- deutete und bedeuten sollte. Fragen der Zugehörigkeit, der Selbstaffilia- tion in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen und Schichtungen kenn- zeichnen deshalb den Diskurs über Galizien in Galizien selbst und in Kommentaren von außen. Galizien wurde zur Projektionsfläche für so- ziale, kulturelle und politische Experimente, die von dem Vorhaben, das neuerworbene Kronland mit obrigkeitlichen Maßnahmen im Sinne der Josephinischen Aufklärung in eine...

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