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Psychologen in autoritären Systemen

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Edited By Theo Herrmann and Wlodek Zeidler

Dieser Sammelband stellt die Lebensläufe oder markante Lebensabschnitte von 16 Psychologen unter Nationalsozialismus und polnischem Staatskommunismus dar. Dabei wurden die Biographien teilweise anhand bisher unbekannter Dokumente erarbeitet. Die Beiträge machen deutlich, dass die Schicksale der Psychologen außerordentlich verschieden waren: Es gab Emigration und Deportation, Hinrichtung und Ermordung, es gab Mitläufer, Intriganten, Opportunisten und Gesinnungstäter, aber auch Solidarität und bis heute fast unbekannte Widerstandskämpfer. Zu verzeichnen waren dabei vielerlei Gedächtnislücken und Schönfärbereien. Wenn auch die Psychologen von beiden Diktaturen in ähnlicher Weise beeinflusst wurden, so fasziniert doch die ganze Vielfalt individueller und letztlich einmaliger Lebensläufe.

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Einleitung: Theo Herrmann und Wlodek Zeidler

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7 Einleitung Theo Herrmann und Wodek Zeidler Allgemeine Bemerkungen zu Psychologenbiographien1 Besonders in den 80er- und 90er-Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts hat die deutsche Psychologie-Geschichtsschreibung – wenn auch sehr verspätet – viel Mühe darauf verwendet, die Psychologie unter dem Naziregime historisch aufzu- arbeiten. Seit einiger Zeit ist es allerdings um dieses Thema wieder eher still geworden. Die mutmaßlichen Gründe für das seit dem Kriegsende stark vari- ierende wissenschaftliche Interesse am Schicksal der Psychologie unter dem Nationalsozialismus sind komplex; wir können hier nicht auf dieses Thema ein- gehen. Jedenfalls wissen wir über die Rolle der Psychologie und der Psycho- logen im Nazi-Reich heute sehr viel mehr als vor einigen Jahrzehnten. In Polen sah die Entwicklung der Psychologie anders aus als in den deutschsprachigen Ländern. Im Voraus muss gesagt werden, dass die Entwicklung der polnischen Psychologie als Wissenschaft erst in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen begann. Wir betrachten diesen Sachverhalt etwas genauer: Voraussetzung für die Etablierung einer genuin polnischen Psychologie war – seit 1918 – Polens politische Unabhängigkeit. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass einer der Väter der deutschen Psychologie, Wilhelm Wundt, 1 Erste Überlegungen zum vorliegenden Band stammen aus zwei internationalen Tagungen, die am 10.-12. September 2009 und am 13.-15. April 2011 unter der wissenschaftlichen Leitung von Wodek Zeidler (Warszawa) an der University of Finance and Management in Warszawa stattfanden. Die Ergebnisse beider Tagungen findet man in zwei polnischen Tagungsbänden (Zeidler, 2009; Zeidler & Lück, 2011). Im Nachgang zu den Tagungen hielten wir...

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