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Entwicklungs- und Menschenrechtsvorstellungen von unten

Eine vergleichende Untersuchung anhand ausgewählter Beispiele indigener Bevölkerung

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Daniel Stosiek

Dieses Buch befasst sich mit den Vorstellungen von Entwicklung, Menschenrechten und einem guten Leben aus der Sicht marginalisierter Gruppen. Im Fokus stehen indigene Völker in Lateinamerika (insbesondere die Mapuche in Chile) und Beduinen bzw. PalästinenserInnen. Der Vergleich dieser sehr unterschiedlichen Gesellschaften, die die europäische Kolonisierung gemeinsam haben, erweist sich als sehr ergiebig. Die Äußerungen in Interviews und Gesprächen bilden den Ausgangspunkt für eine Suche nach einer neuen, dialogischen, ‘postkolonialen’ und daher alternativen Globalisierung, in der die Stimmen und Realitäten der subalternisierten Subjekte nicht mehr ausgelöscht werden.

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3. Definition indigener Völker

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Es gibt keine eindeutige Definition indigener Völker. Aber die am meisten ge- brauchte Annäherung an eine Definition ist diejenige, die der UN-Sonderbe- richterstatter José Martínez Cobo 1986 in einer Studie über die Diskriminierung indigener Völker48 entwickelte. Es handelt sich um eine Zusammenstellung mehrerer Merkmale, von denen allerdings nicht jedes einzelne zutreffen muss, um von indigenen Völkern reden zu können. Diese Merkmale sind folgende: 1. Sie befinden sich in einer historischen Kontinuität mit den vorkolonialen Ge- sellschaften in ihrem Gebiet. 2. Sie sehen sich selber als verschieden von den anderen Bereichen der Gesell- schaft an, welche in ihrem Gebiet überwiegen. 3. Sie bilden in der Gegenwart einen nichtdominanten Teil der Gesellschaft. 4. Sie beabsichtigen, ihre Ländereien und ihre Identität, die kulturellen Muster, sozialen Institutionen und legalen Systeme, die aus ihrer Vergangenheit stammen, zu bewahren, zu entwickeln und weiterzugeben. Erica-Irene A. Daes, ehemalige Vorsitzende der UN-Arbeitsgruppe über Indi- gene Bevölkerungen, präzisierte diese Definitionselemente49. Demnach sind in- digene Völker zu charakterisieren durch: 1. Priorität in der Zeit bezüglich des Wohnens und Nutzens eines gegebenen Landgebietes, 2. willentliche Fortführung der kulturellen Verschiedenheit, was Aspekte der Sprache, der sozialen Organisation, der Religion und spiritueller Werte sowie ihrer Weisen der Produktion, der Gesetze und der Institutionen umfassen kann, 3. die Selbstidentifizierung und die Anerkennung durch andere Gruppen oder Staatsbehörden als sich unterscheidendes Kollektiv, und 4. eine Erfahrung der Unterjochung, Marginalisierung, Enteignung, Exklusion, oder Diskriminierung, ob diese Bedingungen nun fortdauern oder...

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