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« C’est comme s’il y avait plusieurs personnes en moi ! »

Identitätssuche im Werk Jacques Poulins

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Daniel Pierrot

In den Romanen des Frankokanadiers Jacques Poulin setzen sich die Figuren durchgängig mit elementaren Aspekten ihrer Existenz auseinander, wobei die Frage und Suche nach individueller, sozialer und kultureller Identität stets eine zentrale Rolle spielen. Auf der Grundlage philosophischer und sozialpsychologischer Identitätstheorien betrachtet der Band diese Selbstsuche der Protagonisten in dem bislang kaum wissenschaftlich berücksichtigten Spätwerk Poulins (1998-2009) mit dem Ziel, die Bedeutung innerer Konflikte, sozialer Rollen und des kulturellen Selbstverständnisses hierfür zu ergründen. Die Ergebnisse der Textanalysen werden zudem für einen kurzen Ausblick auf Poulins neuesten Roman L’homme de la Saskatchewan (2011) fruchtbar gemacht.

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8. Vergleichende Perspektive

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Die Protagonisten der vier analysierten Romane befinden sich allesamt im Spannungsfeld eines inneren Konfliktes, der gelöst werden muss, damit ihre Identitätssuche erfolgreich sein kann. Diese Suche findet in einem bestimmten sozialen und kulturellen Kontext statt, welcher in die Betrachtung einbezogen werden muss. Die Frage nach der Identität der Protagonisten, also die Frage, wer sie sind, wird demnach im Zusam- menspiel ihrer Persönlichkeit, ihrer sozialen Rollen und ihres kulturellen Selbstverständnisses beantwortet. Der Identitätsbegriff umfasst diesem Verständnis nach die individuelle, die soziale und die kulturelle Identität. In Chat sauvage glaubt Jack, bereits eine stabile Identität gefunden zu haben – sowohl in beruflicher Hinsicht als écrivain public als auch auf pri- vater Ebene in seiner Beziehung mit Kim. Im Laufe der Erzählung kann man jedoch immer deutlicher erkennen, dass er sich in Wahrheit in einer Identitätskrise befindet. Es gelingt Jack nicht, ein Gleichgewicht zwi- schen Kindheit und Erwachsenensein sowie Männlichkeit und Weiblich- keit herzustellen. Dieses Problem spiegelt sich auch in seinen privaten Rollen wider, da er im Verhältnis zu Kim zunehmend die Rolle eines Kindes einnimmt, anstatt sich seiner Rolle als Lebensgefährte entspre- chend zu verhalten. Auch die große Zufriedenheit, welche er in seiner beruflichen Rolle empfindet, und die starke Identifikation mit seiner frankokanadischen Herkunft können einen negativen Verlauf seiner Identitätssuche nicht verhindern. Diese scheitert an seiner Unfähigkeit, den Kernkonflikt zwischen Generativität und Selbst-Absorption zu lösen (vgl. Erikson 1981, 117). Indem der Schriftsteller Kims...

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