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Wissenschaftskommunikation im Vergleich: Fallstudien zum Sprachenpaar Deutsch-Italienisch

Fallstudien zum Sprachenpaar Deutsch-Italienisch

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Dorothee Heller

Die in diesem Band zusammengeführten Studien zum Sprachgebrauch deutsch- und italienischsprachiger Autoren sowie Übersetzer wissenschaftlicher Texte gehen den folgenden Fragen nach: Wie wird forschendes und sprachliches Handeln einzelsprachlich umgesetzt? Welche Ressourcen der beiden Sprachen werden in diesem Zusammenhang in besonderer Weise genutzt? Behandelt werden zum einen signifikante Ausschnitte aus der deutschen und italienischen Sprach- und Wissenschaftsgeschichte. Zum anderen wird anhand von Daten aus einem Paralleltextkorpus aufgezeigt, wie italienische und deutschsprachige Autoren heute verfahren, wenn sie ihre Leser im Text- und Wissensraum orientieren sowie Forschungstätigkeiten und damit verbundene sprachliche Handlungen verbalisieren. Besondere Aufmerksamkeit wird der Verwendung deiktischer und verbaler Ausdrucksmittel zuteil, die auf den ersten Blick unauffällig sind, für die Übersetzung aber nicht unerhebliche Herausforderungen mit sich bringen.

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2 Sprachübergreifende und sprachspezifische Entwicklungen

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In Zeiten kultureller und wissenschaftlicher Blüte ergeben sich neue Ausdrucks- erfordernisse, und die Sprache erhält aus den entsprechenden fachlichen Berei- chen starke Impulse für Anreicherungen.15 Unter den Akteuren, die bei der Herausbildung der italienischen Wissenschaftsprosa mitgewirkt haben, gebührt Galileo Galilei besondere Aufmerksamkeit. Auf seinen Beitrag zur Ablösung des Lateinischen durch das Italienische wird unter Punkt 2.1 eingegangen. Ver- dienste um die Wortschatzerweiterung und die begriffliche Präzisierung beste- hender Ausdrücke in den Bereichen Mechanik, Architektur und der bildenden Künste, insbesondere der Malerei, kommen auch Leonardo da Vinci zu. Zu den lexikalischen Prägungen, die ihm zugeschrieben werden, zählen Ausdrücke wie ritratto ('Portrait') oder prospettiva aerea ('Luftperspektive').16 Zu weiteren Bei- trägen bei dem Ausbau fachlicher Nomenklaturen sei auf den Überblick von Dardano (1994) verwiesen. Im deutschen Sprachraum ist die Emanzipation vom Gelehrtenlatein das Werk von weniger bekannten Wissenschaftlern und Universitätsprofessoren, die sich vor allem seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert für eine Aufwertung des Deutschen einsetzen. Zwar gab es auch zuvor einzelne Ansätze, so etwa die deutschen – aber mit lateinischen Versatzstücken vermischten – Vorlesungen von Paracelsus an der Universität Basel zu Themen der Anatomie und ange- wandten Medizin. Hervorzuheben ist auch das Bemühen einzelner Wissen- schaftler, vornehmlich aus den Naturwissenschaften und der Mathematik, eigene Werke zu verdeutschen und die primär für eine nicht akademische Leserschaft bestimmte deutsche Sachprosa einem wissenschaftlichen Niveau anzugleichen. Erinnert sei etwa an Dürers Unterweisung der Messung (1525) oder an...

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