Show Less

Intonation

Akustische Realität und perzeptiver Eindruck

Claudia K. Ohl

Die Arbeit untersucht anhand akustischer und perzeptiver Daten, ob es im Deutschen tatsächlich, wie allgemein angenommen, einheitliche und satztypspezifische Anpassungsstrategien für Intonationsverläufe in bestimmten segmentellen Kontexten gibt – Trunkierung und Kompression. Anhand eines umfangreichen Lesesprachekorpus mit 26.000 Äußerungen von 30 Sprechern konnte gezeigt werden, dass Sprecher keine universellen, sondern individuelle Strategien verwenden. Durch die Analyse des Spontansprachekorpus und eines Perzeptionsexperiments wird zudem deutlich, dass Hörer und Sprecher gleichermaßen eine Vielzahl an Merkmalen neben der Intonation zur Kodierung, bzw. Dekodierung, von Satztypen verwenden (u.a. Semantik).

Prices

Show Summary Details
Restricted access

THEORETISCHER HINTERGRUND

Extract

2Intonation: Grundlagen und Terminologie Vereinfacht ausgedrückt ist Intonation die Sprechmelodie, also das Auf- und Absteigen des Stimmtons während einer Äußerung. Diese Definition ist natürlich sehr weit gefasst und wird insbesondere in Kapitel vier (S. 35ff.) näher ausgeführt. Die meisten Modelle verstehen die Grundfrequenz als akustisches Korrelat der Intonation und leiten Konturen daher direkt vom Verlauf der Grundfrequenz ab. Andererseits gibt es Modelle, die von einem perzeptiven Ausgangspunkt auf die Intonation blicken und sie von dem perzipier- baren Tonhöhenverlauf ableiten. 2.1 Begriffliche Einordnung der Intonation In der Sprachforschung wird insbesondere zwischen einer segmentalen und einer supra- segmentalen Ebene unterschieden. Auf segmentaler Ebene beschreibt man die Laute und deren Eigenschaften, aus denen eine Äußerung sich zusammensetzt. Auf suprasegmenta- ler Ebene dagegen, auf der auch die Intonation einzuordnen ist, werden Inhalte vermittelt, die über den reinen Text hinausgehen wie zum Beispiel Gefühle und Stimmungen des Sprechers sowie Information über den Satztyp, also ob es sich um eine Aussage oder ei- ne Frage handelt. Zwar können diese Informationen auch durch Wortwahl kommuniziert werden, aber selbst textlich neutrale Äußerungen werden teils durch suprasegmentale Ei- genschaften mit zusätzlicher Information versehen. Die Merkmale der suprasegmentalen Ebene werden auch unter dem Begriff Proso- die zusammengefasst. Suprasegmentale beziehungsweise prosodische Merkmale zeich- nen sich dadurch aus, dass sie sich über das einzelne Segment hinaus auf Silben, Wörter oder ganze Äußerungen erstrecken können (Mayer 1997:6). 17 „Intonation beschreibt postlexikalische, suprasegmentale Phänomene der Lautspra- che,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.