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Der Geist der Freude

Studien zu den Vorlagen, zur Textgestaltung und zu den Konzeptionen der Jugendwerke des «anderen» Goethe

Jochen Bertheau

Die Werte, die in den Konzeptionen der Jugendwerke Goethes (bis zu Iphigenie, Faust und Meister) zum Ausdruck kommen, widersprechen grundsätzlich jenen des alten Goethe (Entsagung): Freude, Liebe, Mitleid. Neu gefundene Quellen zu Goethes Vorfahren, zu den Hochgradlogen und zu bisher vernachlässigten Werken von Voltaire oder Rousseau sowie Vergleiche der ersten mit späteren Fassungen und philologisch belegbare Ergänzungen zu fragmentarischen Werken erlauben fast überall eine neue Sicht auf die Werke des «anderen» Goethe, wie man neuerdings sagt. Auch die politische Gesinnung des jungen Goethe nähert ihn den revolutionären Werten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

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III. Ethische Kategorien von Freude, Liebe und Sorge in der Konzeption

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A. Ethik in der Literatur Anscheinend sollte in literarischen Analysen nicht von Ethik die Rede sein, denn Ethik erscheint mit Ästhetik und Logik als Teildisziplin der Philosophie. In der Ästhetik fragte man: „Was ist schön?“ In der Logik fragte man früher: „Was ist wahr?“; da aber der Begriff der antiken Logik zu formal war, fragte man dann: „Wie kann man Wahrheit erkennen?“ und kam so zur Erkenntnistheorie. In der Ethik schließlich fragte man: „Was ist gut? Wie soll man also handeln?“ Ethische Untersuchungen liefern daher Kategorien mit der Aufforderung (dem Imperativ), nach ihnen zu handeln. So gibt es kategorische Imperative nicht nur bei Kant. Die Ethik besteht also aus Wegvorschriften für ein bevorstehendes Leben. Im Gegensatz dazu scheint die Literatur zu stehen, die immer mehr (realistisch) oder weniger (symbolisch) fiktional ein Geschehen der Vergangenheit berichtet - selbst in der Lyrik. Es scheint, als ob im literarischen Werk nur eine Geschichte erzählt wird, eine außerordentliche Begebenheit, ohne Konsequenzen für das Verhalten des Lesers aufzustellen. Und dennoch erlebt man in Literatur am häufigsten die Frage: „Wie bewährt sich ein Mensch beim Zusammentreffen außerordentlicher Umstände, was macht er richtig, und vor allem: Was macht er falsch?“ Damit werden ethische Kategorien angesprochen. Ganz selten erscheinen auch ästhetische Kategorien in der Literatur, etwa in Künstlerromanen; etwas häufiger findet man erkenntnistheoretische Kategorien besonders in religiös orientierten Werken, etwa von Dostojewski oder von Claudel. Aber auch hier werden meist ethische Kategorien dargestellt, etwa...

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