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Spiegel-Frauen

Zum Spiegelmotiv in Prosatexten zeitgenössischer österreichischer Autorinnen

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Joanna Drynda

Die ambivalente Spiegelsymbolik, ein integraler Bestandteil der feministischen Reflexion, taucht auch konstant in Prosatexten zeitgenössischer österreichischer Autorinnen auf. Einerseits versinnbildlicht der Spiegel ein mehrdimensionales Gefängnis für das weibliche Subjekt, andererseits erscheint er als Grundlage für dessen Emanzipation. Die Studie fragt danach, wie weibliche Befindlichkeiten in Spiegelbildern codiert werden. Die Struktur der Arbeit orientiert sich dabei an der symbolischen Entfernung vom Spiegel, der immer weitere Dimensionen des Hintergrunds mit zu reflektieren erlaubt: von der Fokussierung auf den weiblichen Körper, über die vorgesehenen Rollen bis hin zur Betrachtung der Gesellschaft. Abschließend werden weibliche Blicke auf Männer vor dem Spiegel untersucht.

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1. Der theoretische Rahmen des Spiegels

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1. 1. Spiegelmotiv und Spiegelmetapher in der Kultur und Literatur Man kann doch einen Spiegel besitzen; besitzt man dann auch das Spiegelbild, das sich in ihm zeigt?15 Dem heutigen Menschen, der unter Spiegeln lebt, wird nichts mehr von jenem Raritätsgefühl gegönnt, das diesen Gegenstand einst so begehrenswert machte. In der Geschichte eines Objekts, an dem Realität und Illusion aufeinander tref- fen, spiegeln sich gleichermaßen die Geschichte der Zivilisation wie die Kultur- geschichte wider. Am Zauber, den der Spiegel auf die menschliche Vorstel- lungskraft ausübt, hat er kaum seinesgleichen. Es sei wohl der Beschaffenheit zuzuschreiben, dass seine Präsenz so stark auffällt – der materiellen Ausprägung haftet der Glanz einer höheren Wirklichkeit an. In dieses Territorium kann die menschliche Erfahrung nicht immediat eintreten, es lässt sich allenfalls erahnen. Die Aura und der Glanz haften daher den Imaginationsbauten an, mögen die Spiegelfundamente die Fantasie zu Höhenflügen anregen oder aber erschrecken. Ein wahres Wunderwerk war der Spiegel daher immer schon, und zwar unab- hängig von seiner jeweiligen, wandelbaren Form und von der gerade erfüllten Funktion,16 die allezeit auf das Reflektieren hinausläuft. Folgt man semantischen Bedeutungsnuancen, so stößt man auf eine Konstruktion, die von zwei gleich- wertigen Zuweisungen geprägt ist: Einerseits bedeutet die Reflexion ‚Abbilden’, andererseits ‚Nachdenken’ und ‚Erwägen’. Wenngleich sie in keinem direkten Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen, verbindet sie ein tieferer Zusam- menhang, dem man bei jedem Annäherungsversuch an das Untersuchungsobjekt...

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