Show Less

Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich

Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie

Series:

Stefan Wolf

Die im Dritten Reich durch Justizausbildungs- und Eckhardtsche Studienordnung veränderte Juristenausbildung bewirkte sowohl eine inhaltliche wie strukturelle Neukonzeption des Rechtsstudiums. Das Werk geht der Frage nach, wie sich das – stets von Missklängen begleitete – Reformwerk in der Praxis bewährte und welche Auswirkungen es auf die Juristenausbildung im Dritten Reich zeitigte. Beispielhaft wurden Lehrbücher und Vorlesungen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie die Erste juristische Staatsprüfung am Prüfungsamt I des Thüringischen Oberlandesgerichts ausgewertet. Im Ergebnis gilt, dass trotz äußerer Übernahme der Reformgedanken sich – soweit fachbedingt möglich – auch weiterhin Teile der bisherigen Ausbildungstradition erhalten konnten.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Das zweite Kapitel

Extract

A. Die Umsetzung der Ausbildungsreformen Im vorstehenden Kapitel wurde gezeigt, dass die Bestrebungen einer Reform der Juristenausbildung sowohl konzeptioneller wie auch inhaltlicher Art waren. Sie beruhten im Wesentlichen auf der Eckhardtschen Studienreform (und der sie bedingenden Justizausbildungsordnungen von 1934 bzw. 1939), und erfolg- ten keinesfalls konsensual mit den sie ausführenden Fakultäten. In der Folge soll daher überprüft werden, wie die Anwender der Reform mit ihr umgingen, ob und gegebenenfalls wie die mit der Studienreform verfolgten Ziele sich in der Praxis bewährten. Angesichts ihres permanenten In-Frage-Stellens lässt sich eine zurückhal- tende und an den bewährten Abläufen orientierte Juristenausbildung im Dritten Reich vermuten. Des Weiteren soll untersucht werden, wie weit die ideologi- sche Beeinflussung durch die Studienordnung in der Praxis fortgeschritten war. Die Überprüfung der Umsetzung der Studienreformziele soll am Beispiel der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller- Universität Jena erfolgen. Dies hat ihren Reiz darin, dass es sich einerseits um eine weniger exponierte, nicht unmittelbar im Einflussbereich der Berliner Mi- nisterien befindliche, kleinere Universität handelte. Zum anderen bestand auf- grund der ehemaligen Prüfungsgemeinschaft mit Preußen eine enge Verknüp- fung und zudem auch eine besondere geographische Nähe zum „braunen“ Weimar mit seinem Gauleiter Fritz Sauckel, der erheblichen Einfluss auf die Universitätsentwicklung im Dritten Reich nahm. I. Die Fakultät und ihre Mitglieder im Dritten Reich 1. Ordinarien und Ordinariate Die engere Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Thüringi- schen Landesuniversität Jena zählte...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.