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Die Volksschülerkonzerte in Hamburg 1898-1921

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Elisabeth Seippel

Die Volksschülerkonzerte in Hamburg sind das früheste Beispiel von Konzerten für Schüler. Sie wurden initiiert und getragen von der Lehrervereinigung für die Pflege der künstlerischen Bildung in Hamburg und dem subventionierten Orchester des Vereins Hamburgischer Musikfreunde, die heutigen Hamburger Philharmoniker. Die Konzerte richteten sich an die Kinder der minderbemittelten Bevölkerungsschichten. Der freiwillige Konzertbesuch am Sonntagnachmittag war in den Gesangsunterricht der Volksschule integriert. Die Volksschülerkonzerte sind Teil der reformpädagogischen Bewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts von Hamburg ausging und auf ganz Deutschland ausstrahlte. Die Schrift belegt, dass die Erneuerung des Musikunterrichts nicht erst mit der sogenannten Kestenberg-Reform in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts eingesetzt hat. Zugleich verdeutlicht die Studie, dass die reformpädagogische Bewegung neben der Kulturkritik weitere wichtige Wurzeln hat.

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Erster Teil

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31 I. Entstehung und Charakteristika der Hamburger Volksschülerkonzerte 1. Planungsphase und erste Konzerte Die Hamburger Volksschülerkonzerte wurden von Mitgliedern der Lehrervereini- gung für die Pflege der künstlerischen Bildung in Hamburg gegründet. Der Musik- ausschuss der Lehrervereinigung hatte am 30. Juni 1897 Thesen zur Reform des Gesangunterrichts an den Volksschulen formuliert. Er forderte, Gelegenheiten außer- halb der Schule zu nutzen, um den Schülern leicht verständliche Opern und Oratorien zugänglich zu machen. Wenn sich Gelegenheit bietet, Instrumentalmusik, welche dem Verständnis der Kinder nahe liegt, zu Gehör zu bringen, so soll man diese Gelegen- heit nutzen (Fricke, PR 1897, Nr. 26). Im darauffolgenden Winterhalbjahr 1897/98 entstanden in mehreren Personenkrei- sen Bestrebungen, Konzerte für Volksschüler ins Leben zu rufen. Der Hamburger Leh- rer-Gesangverein hatte schon im Jahre 1891 Volkskonzerte für breite Bevölkerungs- schichten eingerichtet, die großen Zuspruch fanden. Die in diesem Verein versammel- ten Lehrer erkannten, dass die Begegnung mit musikalischer Kunst früh beginnen müs- se. Sie folgerten, dass für die Kinder der einkommensschwachen Bevölkerungsschich- ten Konzerte veranstaltet werden müssten. Darüber hatte man sowohl in Vereinsver- sammlungen als auch im Austausch mit interessierten Kollegen außerhalb des Vereins gesprochen. Der Dirigent des Hamburger Lehrer-Gesangvereins, Professor Richard Barth, erinnert sich: Im Vorstand des Lehrer-Gesangvereins waren einige ganz famose Herren, außergewöhnlich gebildete, kluge und tatkräftige Männer, die stets darauf bedacht waren, wie dem Volke und den Volksschülern durch die...

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