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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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3 Philippe Lejeunes Definition und Theorie der Autobiographie

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Der französische Literaturwissenschaftler Philippe Lejeune beschäftigt sich nun bereits seit 40 Jahren mit dem Studium der Gattung Autobiographie. 1971 er- scheint L’Autobiographie en France, in diesem Text entwirft Philippe Lejeune eine erste Definition der Autobiographie: „Nous appelons ‚autobiographie’ le récit rétrospectif en prose que quelqu’un fait de sa propre existence, quand il met l’accent sur sa vie individuelle, en particulier sur l’histoire de sa personnalité.“58. Darüber hinaus stellt Lejeune einen Kanon der französischen Texte auf, die sei- ner Definition zufolge der Gattung Autobiographie zugerechnet werden können. Ausgangspunkt sowohl seines Kanons als auch seiner Definition der Autobio- graphie bilden die Confessions Rousseaus, die Lejeunes Kriterienkatalog der Autobiographie auf exemplarische Weise gerecht werden. In seinem 2005 veröf- fentlichten Text Signes de vie: Le pacte autobiographique 2 bemerkt Lejeune bezüglich seiner ersten Definition: „La définition n’est pas vraiment l’objet d’analyses poussées, elle est utilisée surtout pour constituer un corpus sur un modèle étroitement rousseauiste.“59 3.1 Der autobiographische Pakt In seinem Hauptwerk Le pacte autobiographique (1975) präzisiert Lejeune seine Definition der Autobiographie als „récit rétrospectif en prose qu’une personne réelle fait de sa propre existence, lorsqu’elle met l’accent sur sa vie individuelle, en particulier sur l’histoire de sa personnalité“60. Im selben Text führt er das Konzept des pacte autobiographique ein, den der Autor eines autobiographi- schen Textes mit seinem Leser schließt und der die Grundlage dafür bildet, dass der Text vom...

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